Mit der Regionalen Innovationsstrategie für Nordrhein-Westfalen 2021–2027 schafft die Landesregierung einen gemeinsamen Rahmen für die Forschungs- und Innovationsförderung im Land und seinen Regionen. Sie ersetzt die Innovationsstrategie 2014–2020 und greift neue technologische, wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Entwicklungen auf.
Potentiale aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft nutzen
Die Vision der Strategie lautet „Vom starken Innovator zum Innovationsführer“. Nordrhein-Westfalen gehört mit seinen Regionen zu den starken Innovatoren der Europäischen Union und will seine Position weiter ausbauen. Dazu sollen die Potenziale von Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft stärker genutzt, Investitionen in Forschung und Entwicklung unterstützt und Innovationen schneller in die Anwendung gebracht werden.
Die Strategie verfolgt einen breiten Innovationsbegriff und berücksichtigt technische, nichttechnische und soziale Innovationen. Leitgedanken sind die intelligente Spezialisierung und eine konsequente Zukunftsorientierung. Dabei werden keine bestimmten Technologien als Lösungsweg vorgegeben.
Sieben Innovationsfelder und vier Querschnittsthemen
Im Mittelpunkt stehen sieben Innovationsfelder:
- Innovative Werkstoffe und intelligente Produktion
- Vernetzte Mobilität und Logistik
- Umweltwirtschaft und Circular Economy
- Energie und innovatives Bauen
- Innovative Medizin, Gesundheit und Life Science
- Kultur, Medien- und Kreativwirtschaft und innovative Dienstleistungen
- Schlüsseltechnologien der Zukunft, IKT
Die Querschnittsthemen Digitalisierung, Nachhaltigkeit einschließlich Klimaschutz und Ressourceneffizienz, Resilienz einschließlich Klimaresilienz sowie innovative Geschäftsmodelle sollen in allen Innovationsfeldern berücksichtigt werden.
Strategischer Ansatz und Handlungsfelder
Zu den Grundsätzen der Strategie gehören die Förderung von Kreativität und Zukunftskompetenzen, Innovationen sowohl in der Spitze als auch in der Breite, stärkere Zusammenarbeit über institutionelle und fachliche Grenzen hinweg sowie eine systemische Innovationsförderung. Lebenslanges Lernen und digitale Kompetenzen werden dabei ausdrücklich als Voraussetzungen für Innovation und Fachkräftesicherung einbezogen.
Für die Umsetzung benennt die Strategie sechs Handlungsfelder: Innovationen fördern, Vernetzung intensivieren, Gründung und Finanzierung unterstützen, die Nachfrageseite einbeziehen, den Rechtsrahmen weiterentwickeln und Fachkräfte sichern.
Warum heißt sie „Regionale Innovationsstrategie“?
„Regional“ bezieht sich nicht auf eine einzelne Teilregion Nordrhein-Westfalens. Die Strategie umfasst das gesamte Bundesland mit seinen unterschiedlichen Regionen. Sie berücksichtigt deren jeweilige Stärken, Entwicklungspotenziale und Strategieprozesse, beispielsweise im Rheinischen Revier und in der Metropole Ruhr. Regionale Fördermaßnahmen sollen an diesen unterschiedlichen Voraussetzungen ansetzen und intelligente Spezialisierung unterstützen.
Damit steht die Bezeichnung zugleich im Zusammenhang mit dem europäischen Ansatz der regionalen Innovations- und Strukturförderung: Die Strategie berücksichtigt ausdrücklich die Anforderungen und Maßnahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).
Finanzierung und Umsetzung
Ein eigenständiges Gesamtbudget für die Innovationsstrategie wird im Dokument nicht ausgewiesen. Die Strategie ordnet verschiedene Förderinstrumente des Landes sowie Mittel des Bundes und der Europäischen Union in einen gemeinsamen Rahmen ein. Eine besondere Rolle spielt der EFRE. Zudem sollen Synergien mit weiteren europäischen Programmen genutzt und Hochschulen sowie Forschungseinrichtungen durch eine Kofinanzierungsstrategie unterstützt werden. Ziel ist eine Hebelwirkung, bei der Landesmittel zusätzliche Mittel von Bund, EU, Stiftungen oder Unternehmen mobilisieren.
Die Umsetzung wird über eine Governance-Struktur und eine interministerielle Arbeitsgruppe begleitet. Monitoring und Evaluation sollen regelmäßig prüfen, ob Innovationsfelder, Instrumente und Ziele angepasst werden müssen. Hierbei ist das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen federführend. Die Strategie ist deshalb als „lernendes Dokument“ angelegt.
Ergebnisse der Zwischenevaluation aus dem Dezember 2025
Die Zwischenevaluierung der Regionalen Innovationsstrategie Nordrhein-Westfalen (RIS3 NRW) 2021–2027 bestätigt insgesamt die Tragfähigkeit der strategischen Grundausrichtung.
Seit 2021 wurden rund 2,6 Milliarden Euro in RIS3-relevante Aktivitäten investiert, davon rund 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2024. Landesmittel stellen dabei den größten Finanzierungsanteil, gefolgt von EU- und Bundesmitteln. Die Evaluation bewertet die bestehenden Handlungsfelder und den Instrumentenmix grundsätzlich positiv, sieht zugleich aber Weiterentwicklungsbedarf: Förderverfahren sollen vereinfacht und besser verzahnt, bestehende Ansätze strategisch weiterentwickelt und die Innovationsfelder stärker priorisiert werden. Die Ergebnisse bilden eine Grundlage für die Ausgestaltung der Regionalen Innovationsstrategie 2028–2034.