Mit der Hightech Agenda Deutschland richtet die Bundesregierung ihre Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik neu aus. Ziel ist es, Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit, Wertschöpfung und technologische Souveränität zu stärken. Das Bundeskabinett hat die Agenda im Juli 2025 beschlossen. Sie soll Deutschland wieder zu einem führenden Standort für Zukunftstechnologien machen und internationale Fachkräfte, Investoren und innovative Unternehmen anziehen.
Im Zentrum stehen sechs Schlüsseltechnologien, die als Motor für den technologischen Fortschritt gelten:
- Künstliche Intelligenz (KI)
- Quantentechnologien
- Mikroelektronik
- Biotechnologie
- Fusion und klimaneutrale Energieerzeugung
- Technologien für klimaneutrale Mobilität
Diese Bereiche sollen durch gezielte Investitionen schneller erforscht, entwickelt und verwertet werden. Der Aufbau technologischer Kapazitäten in Deutschland und Europa steht dabei im Mittelpunkt. Die Agenda zielt darauf, die Innovationskraft zu erhöhen und die Grundlage für nachhaltiges Wachstum und Wohlstand zu schaffen.
Sechs Schlüsseltechnologien im Detail
In der Künstlichen Intelligenz will Deutschland eine Spitzenposition einnehmen. Dafür sind Investitionen in Rechenkapazitäten, Dateninfrastrukturen und KI-Modelle vorgesehen, um KI in Wirtschaft, Pflege und Medizin breiter nutzbar zu machen.
Quantentechnologien sollen künftig die Daten- und Informationssicherheit erhöhen und neue medizinische Anwendungen ermöglichen. Forschung, Start-ups und Wirtschaft sollen gemeinsam Quantencomputer und Anwendungen der Zukunft entwickeln.
Im Bereich Mikroelektronik wird Deutschland als führender Standort ausgebaut. Ziel ist es, Fachkräfte, Forschung und Produktion zusammenzubringen, damit die nächste Generation leistungsstarker Mikrochips aus Deutschland stammt.
Die Biotechnologie wird als Schlüsselfaktor für Gesundheit, Ernährung und Nachhaltigkeit gefördert. Neue biotechnologische Verfahren sollen Therapien und Impfstoffe beschleunigen und landwirtschaftliche Erträge sichern.
In der Fusionsforschung und bei der klimaneutralen Energieerzeugung will Deutschland seine wissenschaftliche Stärke ausbauen. Neben der Fusion werden auch erneuerbare Energien wie Solar, Windkraft, Geothermie und Wasserstofftechnologien vorangetrieben.
Für die klimaneutrale Mobilität stehen Batterietechnologien, alternative Kraftstoffe sowie neue Mobilitätsformen im Fokus – etwa Drohnentechnologien für Transport und Landwirtschaft.
Strategische Forschungsfelder
Im Rahmen der Hightech Agenda Deutschland bilden die sogenannten strategischen Forschungsfelder – neben den Schlüsseltechnologien – einen weiteren Schwerpunkt. Diese umfassen fünf zentrale Bereiche, in denen Forschung und Innovation als entscheidend gelten, um den Wohlstand sowie die Sicherheit der Bevölkerung langfristig zu sichern und weiterzuentwickeln: Luft- und Raumfahrt, Gesundheitsforschung, Sicherheits- und Verteidigungsforschung, Meeres-, Klima- und Nachhaltigkeitsforschung sowie die Geistes- und Sozialwissenschaften.
Diese Forschungsfelder tragen in unterschiedlichem Maße zur Weiterentwicklung von Schlüsseltechnologien bei und fördern deren Überführung in praktische Anwendungen.
Umsetzung
Für jede Schlüsseltechnologie legt die Bundesregierung Flaggschiff-Initiativen mit klaren Zeitplänen vor. Uner anderem sind diese Maßnahmen geplant:
Künstliche Intelligenz: Ab dem Jahr 2026 ist ein sogenannter „KI-Robotikbooster“ vorgesehen, mit dem Anwendungsmöglichkeiten für Mehrzweckroboter aufgezeigt sowie Erprobungs- und Weiterbildungszentren aufgebaut werden sollen. Zudem wird angestrebt, eine der geplanten europäischen KI-Großfabriken („AI Gigafactories“) nach Deutschland zu holen; der Betrieb könnte demnach Mitte 2027 beginnen.
Quantentechnologien: Bis 2030 sollen mindestens zwei fehlerkorrigierte Quantencomputer auf europäischem Spitzenniveau realisiert und zugänglich gemahct werden. Bereits 2025 soll ein erster deutscher Forschungssatellit zur Quantenkommunikation in Betrieb gehen. Parallel dazu ist mit der Initiative „Quantum Future Professionals“ eine verstärkte Aus- und Weiterbildung von Fachkräften vorgesehen, ergänzt durch den Ausbau interdisziplinärer Ausbildungsangebote.
Mikroelektronik: Bis 2026 soll ein Kompetenzzentrum für Mikrochip-Design aufgebaut werden. Ziel ist es, die technologische Souveränität Deutschlands zu stärken und die Attraktivität als Investitionsstandort zu erhöhen. Dazu gehören auch Strategien für neue Fabriken sowie Qualifizierungsmaßnahmen, etwa über eine geplante „Microtec Academy“.
Biotechnologie: Es wird ein Translationszentrum für Gen- und Zelltherapie entstehen, um die Entwicklung neuartiger Therapien voranzutreiben. Diese könnten künftig zur Behandlung bislang schwer heilbarer Krankheiten beitragen. Darüber hinaus ist die Förderung interdisziplinärer Projekte geplant, die Künstliche Intelligenz für die effizientere Entwicklung von Arzneimitteln einsetzen. Programme wie „Go-Bio next“ sollen zudem den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die praktische Anwendung unterstützen.
Fusion und klimaneutrale Energieerzeugung: Zunächst soll ein Fahrplan für den Bau eines ersten deutschen Fusionsreaktors erarbeitet und die dafür notwendigen Technologien identifiziert werden. Ab 2026 sind zudem neue Reallabore zur Energiewende geplant, um Innovationen unter realen Bedingungen zu testen und Investitionssicherheit zu erhöhen. Ergänzend dazu sollen eine Forschungsinitiative zur Tiefengeothermie sowie ein Wasserstoff-Forschungshub („Hydrogen4Future“) eingerichtet werden.
Technologien für klimaneutrale Mobilität: Langfristig strebt die Regierung bis 2035 den Aufbau einer wettbewerbsfähigen Batterieproduktion einschließlich Kreislaufwirtschaft in Deutschland an, eingebettet in ein europäisches Netzwerk. Die Batterieforschung soll durch Kompetenzcluster in Bereichen wie Materialien, Produktion und Festkörpertechnologie gestärkt werden. Darüber hinaus ist die Förderung von E-Fuels und CCU-Technologien vorgesehen, insbesondere zur Unterstützung der Verkehrswende im Luft- und Seeverkehr. Ab 2026 sollen zudem Modellregionen für zukünftige Mobilitätssysteme entwickelt und Transformationscluster für Drohnenanwendungen aufgebaut werden.
Mit der Hightech Agenda Deutschland entsteht so ein strategischer Rahmen, der Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft vernetzt – und Deutschlands Rolle als Innovationsnation im internationalen Wettbewerb stärkt. Bis zum Ende der Wahlperiode (2029) sollen mindestens 18 Milliarden Euro in die Hightech Agenda fließen.
Die vollständige Agenda finden Sie als PDF unter diesem Link: https://www.bmftr.bund.de/SharedDocs/Publikationen/DE/L/31881_Hightech_Agenda_Deutschland.pdf?__blob=publicationFile&v=14