Der „Women in Digital“ (WiD)-Index ist ein zusammengesetzter Indikator, der dazu dient, die Gleichstellung der Geschlechter im IKT- und Digitalsektor in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union und ausgewählten Vergleichsländern zu messen und zu verfolgen.
Dieser Rahmen berücksichtigt, dass die Verwirklichung der Gleichstellung der Geschlechter in Führungspositionen im digitalen Bereich die Beseitigung von Hindernissen und Lücken in jeder Phase der Karriereentwicklung erfordert. Daher setzt der Index auf einen Pipeline-Ansatz und verfolgt die Beteiligung von Frauen von der MINT-Ausbildung bis hin zu Führungspositionen im IKT-Sektor.
Es wurden vier Schlüsselphasen des Karrierewegs sowie die wichtigsten Etappen auf diesem Weg identifiziert und dabei die Zeitspanne bis zum Eintreten der Auswirkungen einer jeweiligen Maßnahme oder Investition ermittelt. Diese sind:
MINT
- Gewährleistung eines gleichberechtigten Interesses, einer gleichberechtigten Teilhabe und gleichwertiger Leistungen von Mädchen in MINT-Fächern in der Primar- und Sekundarstufe; Phasen: Grundschule, Sekundarschule; Zeitspanne bis zum Eintreten der Auswirkungen: langfristig
IKT
- Teilnahme von Frauen an der Hochschulbildung und Ausbildung in IKT-Fächern und verwandten Bereichen; Phasen: Bachelor, Master, Praktika, Ausbildung; Zeit bis zur Wirkung: mittelfristig
DIGITAL
- Übergang von Frauen von IKT-bezogenen Qualifikationen in technische Positionen und Verbleib in solchen Positionen während der frühen und mittleren Phasen ihrer Karriere. Phasen: Promotion, Einstiegspositionen, mittlere Führungsebene; Zeithorizont bis zur Wirkung: kurzfristig
FÜHRUNG
- Erreichen sichtbarer Führungspositionen innerhalb von Organisationen als Abteilungsleiterinnen und Geschäftsführerinnen. Phasen: Abteilungsleiterin; Zeithorizont bis zur Wirkung: mittelfristig
Bedeutung des Index
Der Index liefert wertvolle Erkenntnisse für politische Entscheidungsträger, Pädagogen und Organisationen, die sich mit der Entwicklung digitaler Kompetenzen und der digitalen Inklusion befassen. Indem er Ungleichheiten in der digitalen Bildung und bei der Erwerbsbeteiligung aufzeigt, unterstützt er evidenzbasierte Initiativen, die darauf abzielen, mehr Mädchen und Frauen zu ermutigen, digitale Studiengänge zu absolvieren, Karrieren in der IKT einzuschlagen und Führungsrollen im Technologiesektor zu übernehmen.
Auskunft zur Situation und Entwicklung der Gleichtstellung von Frauen im Digitalsektor in einzelen Staaten gibt der Länderindex. Hier zum Beispiel die auswertung für Deutschland: https://index.widigital.eu/germany/.
Die Schließung der geschlechtsspezifischen Lücke bei den digitalen Kompetenzen ist für die Wettbewerbsfähigkeit Europas und eine inklusive digitale Transformation von entscheidender Bedeutung. Der WiD-Index liefert Belege, die den Akteuren helfen, vorrangige Handlungsfelder zu identifizieren, gezielte Programme zu konzipieren und die Fortschritte im Zeitverlauf zu überwachen.
Die aus dem Index gewonnenen Erkenntnisse unterstützen Initiativen, die Mädchen und Frauen dazu ermutigen, eine MINT-Ausbildung zu absolvieren, digitale Kompetenzen zu entwickeln und Führungspositionen im Technologiesektor zu übernehmen.
Das „Connecting Women in Digital“ Konsortium
Der „Women in Digital“ Index wird erarbeitet und bereitgestellt durch das „Connecting Women in Digital“ Konsortium. Beiteiligt sind europäische Verbände und wissenschaftliche Einrichtungen. Die Initiative ist eine Koordinierungs- und Unterstützungsmaßnahme, die im Rahmen des DIGITAL-Programms der EU finanziert wird. Aufgabe ist, die Geschlechterkluft im Digital- und Technologiesektor zu überbrücken. Die Mission des Konsortiums ist es, wichtige Akteure aus ganz Europa zusammenzubringen, um die Beteiligung von Frauen an digitalen Berufen zu erhöhen. Der Schwerpunkt liegt auf der Ermittlung und Förderung bewährter Verfahren, dem Wissensaustausch und der Förderung einer inklusiveren digitalen Wirtschaft.
