Von der Strategie zur Umsetzung: Spaniens Herausforderung beim Einsatz von KI

Spanien steht bei KI vor dem Schritt von der Strategie zur Umsetzung: Entscheidend sind Zusammenarbeit, Daten, Talente und der Übergang von Pilotprojekten in den produktiven Einsatz.

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Spanien hat die Phase, in der es um die Frage ging, ob Künstliche Intelligenz eingeführt werden sollte, bereits hinter sich. Nun stellt sich eine andere, anspruchsvollere Frage: Wie lässt sich diese Einführung so umsetzen, dass daraus ein realer Mehrwert für Wirtschaft und Gesellschaft entsteht? Dies ist die zentrale These der jüngsten Kolumne von Francisco Hortigüela, Präsident von AMETIC, die in El Español veröffentlicht wurde.

Vom Technologieversprechen zum Transformationshebel

Für Hortigüela ist KI nicht länger nur ein Versprechen, sondern zu einem realen Hebel der Transformation geworden, der bereits beeinflusst, wie wir arbeiten, Entscheidungen treffen und Wert schaffen. Die Debatte sei nicht mehr technologischer, sondern strategischer Natur und vor allem eine Frage der Umsetzung: KI in die Breite zu bringen, sie sicher und vertrauensvoll zu integrieren und Investitionen in messbare Ergebnisse zu überführen.

Seiner Ansicht nach wird das nächste Jahrzehnt nicht von denjenigen gewonnen, die am meisten innovieren, sondern von denjenigen, denen es gelingt, diese Innovation in reale Wirkung zu überführen.

Spanien hat eine gute Ausgangsposition – die Herausforderung liegt in der Umsetzung

Der Präsident von AMETIC betont, dass Spanien für diese Entwicklung über eine solide Ausgangsbasis verfügt: eine technologische Führungsposition bei KI-Lösungen, ein innovatives Ökosystem und die erforderlichen Talente, um Wettbewerbsfähigkeit und soziale Inklusion zu verbessern. Um diese Ausgangsposition zu nutzen, sind jedoch gleichzeitig Fortschritte in mehreren Bereichen erforderlich:

  • Stärkung der öffentlich-privaten Zusammenarbeit zwischen Verwaltungen, Unternehmen, Wissenschaft und dem Innovationsökosystem durch landesweite Projekte, die über finanzielle Mittel und Rechtsvorschriften verfügen, die die Einführung von KI fördern.

  • Verbesserung der Koordination zwischen öffentlichen Stellen – sowohl zwischen Ministerien als auch zwischen zentralen, regionalen und lokalen Verwaltungen.

  • Förderung der Zusammenarbeit zwischen privaten Akteuren, bei der große Unternehmen KMU einbeziehen und Wettbewerb dort, wo es erforderlich ist, in Zusammenarbeit für ein gemeinsames Ziel übergeht.


Der Sprung vom Pilotprojekt in den produktiven Einsatz

Eine der deutlichsten Diagnosen der Kolumne lautet, dass viele KI-Projekte in Zwischenphasen stecken bleiben, ohne tatsächlich eingesetzt zu werden. Um diese Entwicklung umzukehren, nennt Hortigüela drei Hebel:

  • tatsächlich funktionsfähige Testumgebungen

  • innovative Mechanismen der öffentlichen Beschaffung

  • Erleichterung des Übergangs vom Pilotprojekt in den produktiven Einsatz

In seinen eigenen Worten darf Künstliche Intelligenz nicht dauerhaft in einer Phase des Experimentierens verbleiben.

Governance, Daten und Talente: drei übergreifende Säulen

Die Kolumne betont, dass es bei der Governance von KI nicht nur darum geht, Risiken zu steuern, sondern eine verantwortungsvolle Einführung zu ermöglichen. Neben Governance gibt es zwei weitere Elemente, die Hortigüela für wesentlich hält:

  • Datenökonomie: Ohne starke, sichere und einheitliche Rahmenbedingungen, die den Datenaustausch zwischen Unternehmen und Verwaltungen erleichtern, wird es keine wettbewerbsfähige oder souveräne KI geben. Auf interoperable und föderierte Datenmodelle zu setzen, ist laut dem Autor eine strategische Entscheidung für das Land, damit KMU nicht zurückgelassen werden.

  • Talente: Kompetenzen auszubilden, zu gewinnen und zu halten – sowohl technische und organisatorische als auch Führungskompetenzen – ist für Hortigüela eine Voraussetzung dafür, dass KI reale Wirkung entfalten kann.

Den Fokus über große Sprachmodelle hinaus erweitern

Ein weiterer Punkt der Kolumne ist die Notwendigkeit, die öffentliche KI-Politik nicht ausschließlich auf große Sprachmodelle zu konzentrieren. Laut Hortigüela liegt darin nicht das gesamte Potenzial: Prozessoptimierung, maschinelles Sehen, Robotik oder fortgeschrittene Systeme zur Entscheidungsunterstützung sind Anwendungen, die bereits heute Produktivität und industrielle Wettbewerbsfähigkeit verbessern, insbesondere bei kleineren Unternehmen.

Hinzu kommt die Notwendigkeit, die Investitionen in Forschung, Entwicklung und Innovation (FuEuI) zu stärken, insbesondere in den Phasen der angewandten Forschung und der Prototypenentwicklung. Dafür seien agile und stabile Instrumente erforderlich, mit denen sich gute Ideen skalieren lassen, anstatt sie im Labor verbleiben zu lassen.

Eine Chance für Spanien, eine Führungsrolle einzunehmen

Die Kolumne schließt mit einer optimistischen Grundbotschaft: Mit einer gemeinsamen Vision, verstärkter Zusammenarbeit und einem Fokus auf die Umsetzung kann Künstliche Intelligenz für Spanien zu einem Hebel für Wettbewerbsfähigkeit, hochwertige Beschäftigung sowie sozialen und territorialen Zusammenhalt werden. Nach Hortigüelas Worten hat das Land die Chance, bei der praktischen Anwendung von KI in Europa eine Führungsrolle einzunehmen.

Diese Botschaft knüpft unmittelbar an die Position an, für die sich Organisationen wie AMETIC einsetzen: Die Diskussion über Künstliche Intelligenz in Spanien soll nicht länger eine Frage der Diagnose sein, sondern endlich zu einer Frage der Umsetzung werden.

Quelle: Francisco Hortigüela, „Artificial intelligence, from strategy to implementation“, El Español – Investía (21. April 2026).

Autor*in
Francisco Hortigüela, Presidente - AMETIC
Geltungsbereich
Spanien
Themen
Künstliche Intelligenz