Der OECD Digital Government Outlook 2026 zeigt, dass viele öffentliche Einrichtungen Schwierigkeiten haben, mit den steigenden Anforderungen Schritt zu halten. Bürger*innen und Unternehmen erwarten von Regierungen, dass sie schnell handeln, sich an Veränderungen anpassen und wirksam reagieren.
Der Bericht stellt die Ergebnisse des OECD Digital Government Index (DGI) und des Open, Useful and Re-usable Data Index (OURdata) vor. Sie zeigen, wie Regierungen in 36 OECD-Mitgliedsländern und acht Beitrittskandidatenländern an einer kohärenten, wirksamen und menschenzentrierten digitalen Transformation der öffentlichen Verwaltung arbeiten.
Digitale Technologien als Kerninfrastruktur
Digitale Technologien und Daten sind keine optionalen Instrumente für Reformen mehr, sondern bilden eine Kerninfrastruktur moderner Regierungsführung. Der Bericht betont, dass Regierungen Digital-, Daten- und Technologieinfrastrukturen in ihre täglichen Abläufe integrieren müssen – von Haushaltsplanung und Regulierung über die Gestaltung öffentlicher Dienstleistungen bis hin zur Politikentwicklung. Agile, iterative und kollaborative Arbeitsweisen sind inzwischen Voraussetzungen für Leistungsfähigkeit, Resilienz und Vertrauen im öffentlichen Sektor.
Die OECD-Indizes DGI und OURdata messen den Reifegrad und die Leistungsfähigkeit digitaler Verwaltung. Seit 2023 zeigen sie deutliche Verbesserungen: Der durchschnittliche DGI-Wert der OECD-Länder stieg um neun Prozentpunkte, der OURdata-Index um fünf Prozentpunkte.
Die größten Fortschritte zeigen sich dabei, wie Länder Daten steuern und nutzen, Dienstleistungen an den Bedürfnissen der Nutzer*innen ausrichten und KI über verschiedene Politikbereiche hinweg einsetzen. Regierungen sind deutlich besser darin, digitale Strategien zu entwickeln, als diese umzusetzen oder ihre Umsetzung zu überwachen. Die Herausforderung besteht darin, eine starke digitale Grundlage in die tägliche Praxis zu überführen.
Zentrale Ergebnisse
- Digitale Grundlagen: Die meisten Länder haben Governance-Strukturen für digitale Identitäten und Datenstrategien für die öffentliche Verwaltung eingerichtet. Bei der vollständigen Ausschöpfung ihres Potenzials bestehen jedoch weiterhin Lücken.
- Nur zwei Drittel der Länder berichten von einer breiten Nutzung von Systemen zur Dateninteroperabilität.
- Digitale Identitäten gewährleisten weiterhin keinen nahtlosen Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen.
- Einsatz von KI: Nahezu alle Regierungen der OECD-Länder nutzen inzwischen KI, vor allem zur Verbesserung interner Abläufe und öffentlicher Dienstleistungen.
- Die meisten verfügen über Strategien, zuständige Institutionen und Schulungsprogramme.
- Die Grundlagen für einen sicheren und skalierbaren KI-Einsatz bleiben jedoch schwach: Nur wenige Regierungen bewerten die Wirksamkeit von KI-Instrumenten, die Unterstützung bei der Beschaffung ist begrenzt, und Risikobewertungen sowie Transparenzregister sind selten.
- Steuerung digitaler Investitionen: Regierungen müssen öffentliche Dienstleistungen vereinfachen, indem sie:
- klare, allgemeingültige Standards festlegen,
- Problempunkte aus Sicht der Nutzer*innen erfassen,
- schwer erreichbare Gruppen in die Gestaltung einbeziehen,
- Dienstleistungen behördenübergreifend integrieren,
- Daten und KI nutzen, um Bedarfe zu erkennen, bevor sie entstehen.
Maßnahmen der Regierungen
Der Bericht fordert, Governance-Rahmen, Kompetenzen und digitale Investitionen an messbaren Ergebnissen für Menschen und Unternehmen auszurichten.
Nutzung digitaler öffentlicher Infrastruktur und von Daten in der gesamten Verwaltung ausweiten
Regierungen sollten gemeinsam genutzte digitale Infrastrukturen – etwa Systeme für den Datenaustausch, digitale Identitäten und gemeinsame Plattformen – zu einem festen Bestandteil ihrer täglichen Arbeit machen. Diese gemeinsame digitale Infrastruktur sollte:
- durch klare Regeln, nachhaltige Finanzierung, starke Daten-Governance und nutzerzentrierte Gestaltungsansätze abgesichert sein,
- die Bedürfnisse und die Selbstbestimmung der Menschen in den Mittelpunkt stellen und so das Vertrauen schaffen, das für eine Einführung und Nutzung in größerem Maßstab erforderlich ist.
Digitale Kapazitäten für vertrauenswürdige und skalierbare KI in der Verwaltung weiter stärken
Regierungen sollten über KI-Strategien und Pilotprojekte hinausgehen und die praktischen Voraussetzungen für einen sicheren KI-Einsatz in großem Maßstab schaffen. Dazu gehören:
- klare Verantwortlichkeiten,
- verlässliche Daten,
- transparente Prozesse,
- bessere Unterstützung bei der Beschaffung,
- die systematische Bewertung der tatsächlichen Ergebnisse des KI-Einsatzes, insbesondere da Regierungen den Einsatz agentischer KI prüfen.
Öffentliche Dienstleistungen am Leben der Menschen ausrichten, nicht an institutionellen Strukturen
Regierungen sollten die Nutzung öffentlicher Dienstleistungen durch klare, überall geltende Standards erleichtern. Dazu sollten sie:
- erfassen, an welchen Stellen Menschen auf Schwierigkeiten stoßen,
- schwer erreichbare Gruppen in die Gestaltung der Dienstleistungen einbeziehen,
- Dienstleistungen behördenübergreifend verknüpfen, damit Menschen nicht zwischen verschiedenen Behörden wechseln müssen,
- Daten und KI nutzen, um Unterstützung anzubieten, bevor Menschen darum bitten müssen.
Governance, Investitionen und Kompetenzen an den iterativen Charakter digitaler Technologien anpassen
Regierungen sollten umsetzungsorientierte Governance-Modelle einführen, die es ihnen ermöglichen:
- Vorhaben schrittweise zu finanzieren,
- während der Umsetzung zu lernen,
- Aufsicht und Evaluierung zu stärken, um zu prüfen, ob Investitionen die beabsichtigten Ergebnisse erzielen,
- fundiertere Entscheidungen darüber zu treffen, ob Technologien selbst entwickelt oder beschafft werden,
- in digitale Teams und Kompetenzen zu investieren, die erforderlich sind, um digitale Grundlagen in dauerhaft leistungsfähige Verwaltungsabläufe zu überführen.
Da sich KI rasch weiterentwickelt, stehen Regierungen zugleich vor neuen Chancen und Herausforderungen für die Governance. Der Bericht trägt dazu bei, die Kluft zwischen steigenden Erwartungen und institutionellen Kapazitäten zu schließen und sicherzustellen, dass die digitale Transformation menschenzentrierte, proaktive und vertrauenswürdige öffentliche Dienstleistungen hervorbringt.
