Am 18. Juni stellten die Europäische Kommission und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) den AI Literacy (AILit) Framework für die Primar- und Sekundarschulbildung vor. Er bietet eine gemeinsame Grundlage, die Schulen dabei unterstützen soll, KI-Kompetenz in den Unterricht zu integrieren.
Der Rahmen wurde gemeinsam mit internationalen Expert*innen, darunter CodeAI, entwickelt. Praktische Unterrichtsbeispiele sollen Pädagog*innen dabei unterstützen, KI-Kompetenz in sinnvolle Lernerfahrungen zu überführen. Vorgestellt wurde der Rahmen in Brüssel während der Leitveranstaltung des European Digital Education Hub „Collaborate for Impact: Advancing European Digital Education and Skills“.
KI-Kompetenz
KI-Kompetenz unterstützt dabei, fundierte Entscheidungen über die Chancen und Risiken zu treffen, die KI für Einzelpersonen, Gemeinschaften und die Gesellschaft mit sich bringt. Dabei geht es nicht nur um die Nutzung von KI-Tools, sondern auch darum, zu verstehen, wie KI funktioniert, und ihre Rolle im Alltag kritisch zu bewerten.
Zu den wichtigsten Herausforderungen gehören:
- das Fehlen einer gemeinsamen Definition von KI-Kompetenz
- eine uneinheitliche Umsetzung in den Bildungssystemen
- Fehlvorstellungen über KI
- ein begrenztes Verständnis wirksamer KI-gestützter pädagogischer Ansätze
Die Auseinandersetzung mit diesen Hindernissen kann Lernenden helfen, KI kreativer, ethischer und effektiver zu nutzen.
Der Rahmen bietet eine gemeinsame Grundlage für KI-Kompetenz und ermöglicht zugleich die Anpassung an unterschiedliche Bildungskontexte und Bedürfnisse.
Der AILit-Rahmen
An wen richtet sich der Rahmen?
- Lehrkräfte: erhalten Einblicke, wie KI Schüler*innen beim Lernen unterstützen kann und wie Lehrkräfte KI-Kompetenz in schulische Lehrpläne integrieren können.
- Führungskräfte im Bildungsbereich: erhalten Orientierung für die Entwicklung von Initiativen zur KI-Kompetenz in ihren Schulen oder Organisationen.
- Politische Entscheidungsträger*innen: erhalten praktische, wissenschaftlich fundierte Empfehlungen für die Politikgestaltung.
- Entwickler*innen von Lernangeboten: erfahren, wie KI-Kompetenz bei der Entwicklung von Bildungsinhalten und Materialien für die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften berücksichtigt werden kann.
Der Rahmen umfasst vier Dimensionen, die beschreiben, wie Lernende mit KI interagieren, mit KI Inhalte erstellen, KI steuern und KI gestalten. Hinzu kommen 19 Kompetenzen, die nach Wissen, Fähigkeiten und Einstellungen gegliedert sind, sowie praxisorientierte Abschnitte mit Erwartungen an Lernende, Lernszenarien und Unterrichtsbeispielen, die die Umsetzung in Schulen unterstützen.
Europäische Ziele für digitale Bildung
Der Rahmen unterstützt das Ziel der Europäischen Union, eine hochwertige, inklusive und zukunftsorientierte digitale Bildung zu ermöglichen. Er trägt zu den Zielen des Aktionsplans für digitale Bildung und der Union of Skills bei, indem er Lernende dabei unterstützt, die Kompetenzen zu entwickeln, die sie für eine sich rasch wandelnde, von Digitalisierung und KI geprägte Gesellschaft benötigen.
Das kommende Bildungspaket, das für einen späteren Zeitpunkt in diesem Jahr geplant ist, soll die Anpassung der Bildungssysteme an die digitale Transformation und den Wandel durch KI weiter unterstützen und den gleichberechtigten Zugang zu digitaler Bildung für alle fördern.
Der AI Literacy Framework ergänzt außerdem mehrere europäische Initiativen und politische Prioritäten:
- PISA 2029 Media and AI Literacy (MAIL) Assessment
- Aktualisierte ethische Leitlinien für Pädagog*innen zur Nutzung Künstlicher Intelligenz
- AI Act
- European Digital Competence Framework (DigComp 3.0)
Zusammen bilden diese Ressourcen eine gemeinsame Grundlage, um die nächste Generation dazu zu befähigen, Künstliche Intelligenz selbstbewusst, verantwortungsvoll und zielgerichtet zu verstehen, zu nutzen und mitzugestalten.
