Die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) informiert mit der Broschüre „Microcredentials in Erasmus+ – Information, Good Practice, Unterstützung“ (PDF) über Grundlagen, Einsatzmöglichkeiten und die Entwicklung von Microcredentials in der beruflichen Bildung. Sie richtet sich insbesondere an Einrichtungen, die sich in Erasmus+-Partnerschaften und -Kooperationen oder im transnationalen Mobilitätskontext mit Microcredentials befassen möchten.
Europäischer Rahmen für kleinere Lerneinheiten
Mit der EU-Ratsempfehlung von Juni 2022 wurde ein europäischer Ansatz für Microcredentials geschaffen. Nach der dort verwendeten Definition sind Microcredentials Nachweise über Lernergebnisse, die Lernende im Rahmen einer weniger umfangreichen Lerneinheit erzielen.
Grundlage sind klar definierte Lernergebnisse, die beschreiben, was Lernende nach einem Lernprozess wissen, verstehen und anwenden können. Die Bewertung erfolgt anhand transparenter Kriterien, beispielsweise durch Prüfungen, Portfolios oder beobachtungsbasierte Verfahren. Hinzu kommen Qualitätssicherung und gemeinsame Standards.
Microcredentials können unter anderem für Upskilling und Reskilling eingesetzt werden. Upskilling bezeichnet dabei die Erweiterung und Aktualisierung vorhandener Kompetenzen für neue Anforderungen im bestehenden Berufsfeld, Reskilling den Erwerb neuer Kompetenzen für eine andere berufliche Rolle oder ein neues Tätigkeitsfeld.
Good Practice aus Erasmus+-Projekten
Ein Schwerpunkt der Broschüre liegt auf fünf Good-Practice-Beispielen aus Erasmus+. Sie zeigen unterschiedliche Einsatzfelder kleiner, zertifizierbarer Lerneinheiten.
Das Projekt RetRail befasst sich beispielsweise mit Upskilling und Reskilling im Einzelhandel. Die dort entwickelten Lernmodule umfassen 10 bis 60 Stunden. CREDinGREEN entwickelte für den Tourismussektor ein Trainingsprogramm mit fünf Themenbereichen und insgesamt 20 Lerneinheiten.
Das Projekt BEM – Beyond Europe with Micro-credentials entwickelte auf Basis eines gemeinsamen methodologischen Rahmens 52 Microcredentials für fünf Schlüsselsektoren: Baugewerbe, IT, Gastgewerbe, verarbeitendes Gewerbe und Landwirtschaft. Weitere Beispiele behandeln die Weiterbildung geringqualifizierter Erwachsener sowie Kompetenzen für die ökologische Transformation.
Unterstützung für die praktische Umsetzung
Ein weiterer Teil der Broschüre bündelt Materialien zur Entwicklung und Umsetzung von Microcredentials. Dazu gehören Leitfäden zur Lernergebnisorientierung, Instrumente für Entwicklung und Dokumentation sowie Informationen zu Standards, Anerkennung, digitalen Credentials, Netzwerken und Plattformen.
Als zentrale Aspekte für qualitativ hochwertige Microcredentials nennt die Broschüre unter anderem eine fundierte Bedarfsermittlung, klar beschriebene Lernergebnisse, Qualitätssicherung, gemeinsame Standards und die Einbindung relevanter Akteur*innen. Für die Anerkennung spielen außerdem transparente Dokumentation und die Zuordnung über europäische Instrumente wie Europass oder den Europäischen Qualifikationsrahmen eine Rolle.
