KI-Kompetenzen in Organisationen der Zivilgesellschaft stärken

Herausforderungen, Bedarfe und Ansätze für den Kompetenzaufbau von KI in der Zivilgesellschaft. Ein Thesenpapier zeigt, welche Fähigkeiten für einen verantwortungsvollen KI-Einsatz erforderlich sind.

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Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz gewinnt in der Zivilgesellschaft an Bedeutung. Gleichzeitig stehen viele Organisationen vor der Herausforderung, die dafür notwendigen Kompetenzen aufzubauen. Das Thesenpapier „From Know-How to Competence“ der Initiative Civic Coding entstand unter Beteiligung von mehr als 20 zivilgesellschaftlichen Organisationen und untersucht, welche KI- und Datenkompetenzen heute benötigt werden, wie bestehende Unterstützungsangebote wirken und welche Bedarfe weiterhin bestehen. Grundlage der Analyse sind 22 leitfadengestützte Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern aus Bereichen wie Bildung, Naturschutz, Inklusion und Wohlfahrt.

These 1: Kompetenzaufbau erfolgt fragmentiert

Die Interviews zeigen, dass der Aufbau von KI-Kompetenzen bereits in vielen Organisationen begonnen hat. Schulungen, Pilotprojekte, Arbeitsgruppen und erste Leitlinien sind verbreitet. Gleichzeitig erfolgt dieser Kompetenzaufbau häufig isoliert – sowohl innerhalb einzelner Organisationen als auch sektorweit. Erfahrungen und Erkenntnisse werden nur begrenzt miteinander verknüpft. Zudem verfügen nicht alle Organisationen über ausreichende personelle oder finanzielle Ressourcen, um eigene Lernprozesse aufzubauen. Neben isolierten Ansätzen existieren jedoch auch Formate wie Lerngruppen, Arbeitskreise oder offene Werkstätten, die auf gemeinsames Lernen setzen.

These 2: Erfahrungswissen wird kaum geteilt

Besonders relevante Lernerfahrungen entstehen laut Studie bei konkreten Anwendungsfragen, etwa bei der Einführung von KI-Werkzeugen oder im Umgang mit Datenschutzanforderungen. Dieses Wissen bleibt jedoch häufig an einzelne Personen gebunden und wird selten dokumentiert oder organisationsübergreifend zugänglich gemacht. Dadurch werden ähnliche Fragestellungen vielfach parallel bearbeitet. Formate, die Erfahrungen und Lernprozesse sichtbar machen, sind bislang wenig verbreitet.

These 3: Große Organisationen können Wissen bündeln

Größere Organisationen verfügen häufiger über Ressourcen für Pilotprojekte, spezialisierte Teams und externes Fachwissen. Dadurch können sie neue Anwendungen erproben und Erfahrungen sammeln. Das Papier sieht darin das Potenzial, als Wissens- und Kompetenzzentren zu fungieren. Diese Rolle ist bislang jedoch weder systematisch definiert noch koordiniert. Entscheidend für erfolgreiche Kooperationen sind laut Analyse vor allem gemeinsame Themen und Herausforderungen.

These 4: Strategische KI-Kompetenz bleibt unterentwickelt

Während technische Grundlagen und erste Anwendungskompetenzen zunehmend aufgebaut werden, bleibt die strategische Auseinandersetzung mit KI häufig im Hintergrund. Verantwortlichkeiten sind oft unklar, langfristige Zielbilder fehlen und Pilotprojekte werden selten in dauerhafte Veränderungsprozesse überführt. Die Interviews zeigen, dass Fragen zu Arbeitsprozessen, Organisationsentwicklung und Führung stärker berücksichtigt werden müssen. Strategische Kompetenz entsteht insbesondere dort, wo Führungskräfte aktiv eingebunden sind und KI als Teil organisatorischer Transformation verstanden wird.

These 5: Gemeinsame Strukturen fördern Lernen

Viele Organisationen beschäftigen sich mit ähnlichen Fragestellungen, etwa bei der Auswahl geeigneter Werkzeuge, rechtlichen Anforderungen oder der Entwicklung sinnvoller Anwendungsfälle. Dennoch werden diese Themen überwiegend getrennt voneinander bearbeitet. Das Papier verweist daher auf die Bedeutung gemeinsamer Strukturen für den Erfahrungsaustausch. Genannt werden kontinuierliche Austauschformate, zentrale Wissensräume, modulare Lernangebote und organisationsübergreifende Netzwerke. Bestehende Beispiele zeigen bereits mögliche Ansätze, sind bislang jedoch nur punktuell vorhanden.

Die Autorinnen und Autoren leiten aus den Ergebnissen die Notwendigkeit ab, gemeinschaftliches Lernen und nachhaltigen Kompetenzaufbau stärker zu fördern. Dabei wird KI-Kompetenz nicht allein als technische Fähigkeit verstanden, sondern umfasst auch strategische, organisatorische und ethische Aspekte.

Über Civic Coding

Die Initiative „Civic Coding – Innovationsnetz KI für das Gemeinwohl“ verfolgt das Ziel, KI sozial, nachhaltig und partizipativ zu gestalten und so die Daten- und KI-Kompetenzen in der Zivilgesellschaft zu stärken. Sie wird getragen von drei Bundesministerien: dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), dem Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) und dem Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN)

Geltungsbereich
Deutschland
Themen
Kompetenzaufbau Künstliche Intelligenz