EU-Ausschreibung für KI-Gigafactories: Bewerbungen bis 12. November, mehr als 30 Milliarden Euro Investitionen angestrebt

Die EU will mit bis zu sieben KI-Gigafactories ihre Rechenkapazitäten ausbauen, technologische Souveränität stärken und mehr als 30 Milliarden Euro an Investitionen mobilisieren.

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Am 30. Juli 2026 startete die Europäische Kommission eine Ausschreibung zur Unterstützung des Aufbaus von mindestens sieben KI-Gigafactories in Europa. Mit bis zu 10 Milliarden Euro an EU- und nationalen Mitteln soll die Initiative voraussichtlich weitere 20 Milliarden Euro an privaten Investitionen mobilisieren. Die Ausschreibung endet am 12. November 2026.

Die KI-Gigafactories können in einem einzelnen Mitgliedstaat eingerichtet werden – entweder an einem Standort oder verteilt auf mehrere Standorte. Möglich sind auch grenzüberschreitende Vorhaben in mehreren Mitgliedstaaten mit verteilten KI-Recheninfrastrukturen.

Das Wichtigste zu KI-Gigafactories

Die Europäische Union ist bei mehr als 80 Prozent der wichtigsten digitalen Produkte, Dienstleistungen, Infrastrukturen und des geistigen Eigentums auf Nicht-EU-Länder angewiesen. Mit der weltweit zunehmenden Nutzung von KI gewinnt der Zugang zu groß angelegter souveräner KI-Infrastruktur für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit und technologische Souveränität Europas zunehmend an Bedeutung.

KI-Gigafactories sind der nächste Schritt bei den Bemühungen, Europas Ambitionen im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) auszuweiten und auf dem europäischen Kontinent selbst die Infrastruktur aufzubauen, die für die Entwicklung von KI-Modellen an der technologischen Spitze erforderlich ist. Dafür wird erhebliche Rechenleistung benötigt: KI-Gigafactories sind eine neue Generation groß angelegter KI-Infrastrukturen, die darauf ausgelegt sind, fortgeschrittene KI-Modelle in Europa zu trainieren, feinabzustimmen und einzusetzen. Sie verbinden hochmoderne Prozessoren mit Hochgeschwindigkeitsnetzen, Cloud-Technologien und energieeffizienten Rechenzentren, um die Rechenkapazität des Kontinents zu erhöhen.

Die KI-Gigafactories werden fortschrittliche KI-Prozessoren, Software- und Cloud-Technologie-Stacks, Hochgeschwindigkeitsverbindungen und energieeffiziente Rechenzentren miteinander kombinieren. Zusammen mit dem europäischen Netzwerk von 19 AI Factories sollen sie Europas technologische Führungsrolle, Resilienz und strategische Autonomie stärken.

Ausschreibung für KI-Gigafactories

Die offene Ausschreibung zielt darauf ab, die europäischen KI-Rechenkapazitäten auszubauen und Start-ups, Scale-ups, KMU, Industrie, Wissenschaft und öffentlichen Behörden in Europa Zugang zu Infrastruktur für das Training, die Inferenz und die Feinabstimmung fortgeschrittener KI-Modelle an der technologischen Spitze zu ermöglichen.

Die Initiative soll sicherstellen, dass Europa fortgeschrittene KI auf eigener Infrastruktur und im Einklang mit den Vorschriften und Werten der EU entwickeln kann. KI-Technologien, die in den KI-Gigafactories entwickelt werden, sollen den EU-Standards für Datenschutz, Sicherheit und Ethik entsprechen.

Wer kann sich bewerben?

Bewerben können sich Konsortien oder Zweckgesellschaften, in denen Unternehmen, öffentliche Einrichtungen, Investor*innen und andere Partner zusammenarbeiten.

Wie funktioniert die Ausschreibung?

Die EU nutzt die gemeinsame öffentliche Beschaffung, um Investitionen in KI-Gigafactories in großem Maßstab anzustoßen. Über das Gemeinsame Unternehmen für europäisches Hochleistungsrechnen (EuroHPC JU) werden die EU und die teilnehmenden Mitgliedstaaten gemeinsam Rechenzeit bei ausgewählten Einrichtungen beschaffen. Damit soll eine öffentliche Grundlage für die wesentlich größeren privaten Investitionen geschaffen werden, die für Bau und Betrieb der Einrichtungen erforderlich sind.

18 Mitgliedstaaten haben die Vereinbarung über die gemeinsame Beschaffung bereits unterzeichnet: Kroatien, Tschechien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Polen, Portugal, die Slowakei, Spanien und Schweden.

Die Ausschreibung unterstützt bis zu sieben KI-Gigafactories, die in zwei Phasen entwickelt und auf zwei Lose verteilt werden:

  • Los 1: bis zu vier Projekte. Jedes Projekt kann in Phase 1 bis zu 100 Millionen Euro an EU-Mitteln erhalten, gefolgt von bis zu weiteren 400 Millionen Euro in Phase 2. Ausgewählte Einrichtungen müssen zunächst mindestens so viele der fortschrittlichsten KI-Prozessoren einsetzen wie die derzeit leistungsstärkste AI Factory Europas. In Phase 2 soll die Kapazität auf mindestens das Dreifache gesteigert werden.
  • Los 2: bis zu drei größere Projekte. Jedes Projekt kann in Phase 1 bis zu 200 Millionen Euro und in Phase 2 weitere 800 Millionen Euro erhalten. Diese Einrichtungen sollen zunächst bis zu doppelt so viel Kapazität an fortschrittlichen Prozessoren erreichen wie die derzeit führende AI Factory Europas und diese Kapazität in Phase 2 auf mindestens das Vierfache steigern.

Die Mitgliedstaaten werden die EU-Finanzierung in gleicher Höhe ergänzen und damit die für ausgewählte Projekte verfügbaren öffentlichen Investitionen erheblich erhöhen. Entscheidend ist, dass diese öffentlichen Mittel als Katalysator und nicht als vollständige Finanzierung gedacht sind. Sie sollen das Investitionsrisiko verringern und das erhebliche private Kapital mobilisieren, das erforderlich ist, um Gigafactories dieser Größenordnung zu bauen, auszustatten und zu betreiben.

Zusätzliche Informationen: Beschaffung von KI-Infrastruktur

Konsortien von KI-Gigafactories können während jeder der beiden Entwicklungsphasen Hardware von Anbietern in Europa oder gleichgesinnten Ländern beschaffen. Ein Teil dieser Beschaffung kann europäischen Start-ups und Scale-ups vorbehalten werden. Damit können die KI-Gigafactories konkrete Möglichkeiten zur Stärkung der europäischen digitalen Lieferkette bieten.

Gleichzeitig hat die Kommission im Nachgang zum Handelsabkommen zwischen der EU und den USA drei Absichtserklärungen mit den großen US-Hardwareanbietern AMD, NVIDIA und Qualcomm unterzeichnet, um sicherzustellen, dass die Konsortien reibungslosen Zugang zur benötigten Hardware haben.

Nützliche Links

Alle Dokumente zu dieser Ausschreibung sind im EU Funding & Tenders Portal verfügbar. Weitere Informationen zu KI-Gigafactories und zur Arbeit der Europäischen Kommission in diesem Bereich finden sich auf der Website der Europäischen Kommission.

Wie geht es weiter?

Die Ausschreibung endet am 12. November 2026.

Die Vergabeentscheidungen werden für Anfang 2027 erwartet. Die ausgewählten KI-Gigafactories sollen spätestens 18 Monate nach der Unterzeichnung ihren Betrieb aufnehmen.

Das Gesamtbild: verbundene Initiativen und Rechtsvorschriften

Die neue offene Ausschreibung für KI-Gigafactories ergänzt andere groß angelegte EU-Initiativen und Rechtsvorschriften, mit denen sichergestellt werden soll, dass KI ethisch und vertrauenswürdig ist und mit den Grundwerten der EU im Einklang steht. Dies ist einer der Eckpfeiler des seit 2024 geltenden EU AI Act.

Im April 2025 verabschiedete die Kommission den AI Continent Action Plan. Er ist ein Plan, um erstens die Innovationsfähigkeit des Kontinents im Bereich KI zu stärken und zweitens die Stärken der EU – etwa hochqualifizierte digitale Fachkräfte und robuste industrielle Lieferketten – in Beschleuniger für die KI-Entwicklung zu verwandeln.

Der zum AI Continent Action Plan gehörende Cloud and AI Development Act (CADA) soll außerdem die Entwicklung modernster Cloud- und KI-Technologien der nächsten Generation ermöglichen. Damit soll sich die Rechenzentrumskapazität der EU innerhalb der kommenden fünf bis sieben Jahre verdreifachen.

Die EU Apply AI Strategy unterstützt darüber hinaus die Einführung von KI in strategischen Wirtschaftssektoren und stärkt die technologische Souveränität Europas.

Geltungsbereich
Europäische Union