Mehr als 30.000 Menschen wurden motiviert und geschult, öffentliche Online-Dienste zu nutzen.
Dies war das Ziel des nationalen Projekts „Let’s Join Lithuania“, in dessen Rahmen Bürger*innen lernten, digitale Angebote wie E-Health, den Staatlichen Krankenversicherungsfonds, Sodra, E-Zustellung, E-Polizei, Regitra, Migrationsdienste, digitalisierte Friedhöfe, öffentliche Verkehrsmittel, Bibliotheken, die elektronische Dokumentensignatur und weitere Online-Dienste zu nutzen.
Bürger*innen aus allen Gemeinden nahmen teil
Von August 2025 bis zum 30. April 2026 beteiligten sich Einwohner*innen aus allen 60 litauischen Gemeinden am Projekt „Let’s Join Lithuania“. Mehr als 10.000 Menschen schlossen Schulungen zu öffentlichen Online-Diensten ab, weitere über 20.000 nahmen an Workshops teil.
In den Schulungen und Workshops lernten die Teilnehmenden die wichtigsten öffentlichen Dienstleistungen kennen, darunter Sodra, die Steuerinspektion (STI), die Arbeitsverwaltung, die E-Polizei sowie kommunale Online-Angebote. Sie erfuhren außerdem, wie sie das E-Zustellungssystem nutzen, einfache Dokumente erstellen und bei staatlichen oder kommunalen Behörden einreichen können.
Darüber hinaus lernten sie, Dokumente elektronisch zu signieren, elektronische Signaturen zu überprüfen, Informationen öffentlicher Stellen abzurufen, geeignete Lernressourcen zu finden, das Internet sicherer zu nutzen und weitere digitale Möglichkeiten wahrzunehmen.
In den Workshops konnten die Teilnehmenden die wichtigsten E-Services praktisch ausprobieren. Sie lernten unter anderem, Arzttermine online zu vereinbaren, Arbeitsmarkt- und Sozialdienste zu nutzen, Verkehrsangelegenheiten zu regeln, persönliche Daten zu verwalten, Migrationsdienste in Anspruch zu nehmen sowie Bibliotheks- und Kulturangebote zu nutzen.
75 % der Teilnehmenden an Schulungen und Workshops waren Frauen. Mehr als zwei Drittel waren über 55 Jahre alt. Wie Algimantas Merkys, Experte bei Connected Lithuania, betont, nahmen jedoch auch viele jüngere Menschen teil, die ihre digitalen Kompetenzen ausbauen wollten. Zu den Teilnehmenden gehörten außerdem Arbeitssuchende, die digitale Kenntnisse für die Jobsuche, Bewerbungsgespräche und ihren beruflichen Alltag benötigen.
Das Projekt erreichte auch sozial ausgegrenzte und abgelegen lebende Menschen
Die Hälfte aller Teilnehmenden verfügte über einen mittleren Bildungsabschluss, 43 % über einen Hochschulabschluss und 7 % über eine grundlegende Schulbildung. Laut Algimantas Merkys zeigt dies, dass das Projekt eines seiner wichtigsten Ziele erreicht hat: Menschen einzubeziehen, die stärker von sozialer Ausgrenzung betroffen sind oder in abgelegenen Regionen leben.
Eine Befragung ergab, dass sich mehr als 99 % der Teilnehmenden nach den Schulungen und Workshops in der Lage fühlen, die für sie relevanten E-Government-Dienste selbstständig zu nutzen.
Besonders positiv wurde der Inhalt der Veranstaltungen bewertet: 94 % der Befragten vergaben hierfür die höchste Bewertung. Ebenso viele gaben an, künftig erneut an ähnlichen Angeboten teilnehmen zu wollen.
„Am wichtigsten ist, dass die Teilnehmenden das Gefühl haben, mehr Selbstständigkeit und Selbstvertrauen im Umgang mit digitalen Angelegenheiten gewonnen zu haben. Sie erkannten schnell, wie viel Zeit und andere Ressourcen sie sparen können, wenn sie staatliche Online-Dienste nutzen, ohne in Warteschlangen zu stehen, Öffnungszeiten beachten zu müssen, weite Wege zurückzulegen, Kraftstoff zu verbrauchen oder Parkgebühren in der Innenstadt zu bezahlen. Besonders ältere Menschen schätzten die zusätzliche Privatsphäre – sie müssen ihre Kinder oder Enkelkinder nicht mehr um Hilfe bitten, um etwas online zu kaufen oder einen Arzttermin zu vereinbaren“, sagt Rita Šukytė, Leiterin des Vereins „Window to the Future“ und Vertreterin des Projekts „Connected Lithuania“.
Das Vorurteil widerlegen, dass digitale Technologien nur etwas für junge Menschen sind
Die Veranstaltungen von „Connected Lithuania“ haben dazu beigetragen, das Vorurteil zu widerlegen, dass nur junge Menschen digitale Technologien kompetent nutzen lernen können.
„Ohne digitale Kenntnisse fühlt man sich heute leicht von der Gesellschaft ausgeschlossen, da immer mehr Dienstleistungen online angeboten werden. Besonders wichtig ist, dass die Teilnehmenden erkannt haben, dass Lernen und persönliche Weiterentwicklung in jedem Alter möglich sind“, sagt Daumantas Šimanauskas, Dozent in der Region Marijampolė.
Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Schulungen war das gestärkte Selbstvertrauen sowie die Fähigkeit, digitale Dienstleistungen sicher und eigenständig zu nutzen.
„Viele Menschen erlebten ihren ersten Erfolg, als sie sich ohne Hilfe in ein elektronisches System einloggen konnten. Zuvor erschien ihnen das als unüberwindbare Hürde. Als es schließlich funktionierte, wurde ihnen klar: Ich kann das selbst. Ein weiterer Aha-Moment ist die Erkenntnis des persönlichen Nutzens. Nicht abstrakt im Sinne von ‚Digitale Kompetenzen sind wichtig‘, sondern ganz konkret: ‚Das hilft mir, weil ich mich selbst anmelden, mit meinen Kindern kommunizieren, Anträge stellen oder Angelegenheiten erledigen kann, ohne das Haus verlassen zu müssen‘“, sagt Rita Mačiukienė, Dozentin aus der Region Šiauliai.
Was die Teilnehmenden künftig lernen möchten
Die Teilnehmenden berichteten auch darüber, welche Themen sie künftig in Schulungen zur digitalen Kompetenz vertiefen möchten.
„Die große Mehrheit der Befragten möchte ihr Wissen zu den beliebtesten Schulungsthemen weiter ausbauen: Arbeitsmarkt-, Sozial-, Verkehrs- und E-Health-Dienste. Andere interessieren sich für Künstliche Intelligenz, möchten lernen, mobile Apps herunterzuladen, die Funktionen intelligenter Geräte besser zu verstehen oder Rechnungen online zu bezahlen. Wieder andere wünschen sich Antworten auf Fragen zum sicheren Online-Einkauf, zur Nutzung von YouTube oder zum Hören von Hörbüchern“, erklärt Šukytė mit Blick auf die Ergebnisse der Teilnehmendenbefragung.
Viele Teilnehmende hoffen, dass solche Bildungsangebote auch künftig fortgesetzt werden. Das nationale Projekt plant deshalb, die Bevölkerung weiterhin mit entsprechenden Lernangeboten zu unterstützen.
40 Selbstlernkurse für die Bevölkerung
Im Rahmen des Projekts wurden 40 Selbstlernkurse entwickelt. Sie zeigen Schritt für Schritt, wie verschiedene öffentliche Online-Dienste genutzt werden können – darunter E-Health, der Staatliche Krankenversicherungsfonds, Sodra, E-Zustellung, E-Polizei, Regitra, Migrationsdienste, digitalisierte Friedhöfe, Umweltdienste, öffentliche Verkehrsmittel, Bibliotheken, elektronische Signaturen und weitere digitale Angebote.
Jeder Kurs vermittelt die Inhalte in leicht verständlicher Form – auch für Menschen mit geringen digitalen Vorkenntnissen.
Die Kurse stehen den Einwohner*innen Litauens kostenlos und zeitlich unbegrenzt auf der Website des nationalen Projekts „Connected Lithuania“ zur Verfügung. Dort können sie über die Bereiche „Schulungen“ und „Selbststudium“ aufgerufen werden.
Über das Projekt
Das nationale Bildungsprojekt „Connected Lithuania: Verbesserung digitaler Kompetenzen“ (2024–2026) soll die Bevölkerung mit wichtigen E-Government-Diensten vertraut machen und dabei unterstützen, die digitalen Kompetenzen zu erwerben, die in der heutigen Gesellschaft erforderlich sind.
Das Projekt ist Teil des Aufbau- und Resilienzplans „Next Generation Lithuania“. Es soll auf die Herausforderungen der fortschreitenden digitalen Transformation reagieren und dazu beitragen, das Ziel der EU-Digitaldekade zu erreichen, wonach 80 % der EU-Bevölkerung mindestens über grundlegende digitale Kompetenzen verfügen sollen. In Litauen besitzen derzeit rund 1,6 Millionen Menschen im Alter von 16 bis 74 Jahren mindestens grundlegende digitale Fähigkeiten.
Das Projekt wurde von der Agentur für digitale Lösungen Litauens gemeinsam mit dem Verein „Window to the Future“ und der Litauischen Nationalbibliothek Martynas Mažvydas umgesetzt.
