ELAN/ADELE-Umfrage 2.0: Wie digital und KI-bereit sind Europas öffentliche Bibliotheken?

Die ELAN/ADELE-Umfrage 2.0 untersucht, wie gut Europas öffentliche Bibliotheken auf Digitalisierung und KI vorbereitet sind – von Infrastruktur und Kompetenzen bis zu Angeboten für Nutzer*innen.

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Wie gut sind Europas öffentliche Bibliotheken auf Künstliche Intelligenz vorbereitet? Diese Frage steht im Mittelpunkt der ELAN/ADELE-Umfrage 2.0, einer europaweiten Initiative zur Selbsteinschätzung, die von PL2030 in Zusammenarbeit mit EBLIDA durchgeführt wird. Sie wurde im Rahmen des ELAN-Projekts (European Library Associations Network, 2025–2028, gefördert durch Creative Europe) ins Leben gerufen.

Warum gerade jetzt?

Der Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt. Drei Entwicklungen treffen derzeit im Bibliothekssektor aufeinander: Die wichtigsten Bestimmungen des EU AI Act gelten ab dem 2. August 2026 und bringen Verpflichtungen im Bereich KI-Kompetenz mit sich, die auch Bibliotheksanwendungen wie Chatbots, Empfehlungssysteme und Zusammenfassungstools betreffen. Gleichzeitig ist die EU bei den Zielen der Digitalen Dekade 2030 weiterhin nicht auf Kurs: Nur 55,6 % der Erwachsenen in der EU verfügen über grundlegende digitale Kompetenzen, während das Ziel bei 80 % liegt.

Hinzu kommt ein Bericht aus dem Jahr 2026, der im Rahmen der offenen Methode der Koordinierung (OMK) zur Rolle der Bibliotheken erstellt wurde. Darin wird digitale Reife als strategische Priorität für den Sektor bezeichnet. Gleichzeitig weist der Bericht auf eine anhaltende Lücke hin: Es gibt weiterhin keine harmonisierten Daten auf EU-Ebene zur Einführung von KI, zur Infrastruktur oder dazu, wie gut das Personal der öffentlichen Bibliotheken Europas auf diese Entwicklungen vorbereitet ist.

Aufbauend auf ADELE

Die Umfrage 2.0 baut auf dem ADELE-Rahmen zur Selbsteinschätzung auf, der im Rahmen von Erasmus+ bereits mit mehr als 100 Bibliotheken in ganz Europa getestet wurde. Die neue Ausgabe erweitert ADELE ausdrücklich um Künstliche Intelligenz, Data Governance und damit verbundene ethische Fragen. In allen sechs Bereichen des ursprünglichen Modells werden zusätzliche KI-spezifische Fragen empfohlen:

  • Management – Strategie, Governance, KI-Richtlinien
  • Infrastruktur – Ausstattung, Software, KI-Tools, Support
  • Berufliche Weiterbildung – Schulungen für Mitarbeiter*innen, kontinuierliche berufliche Weiterbildung, KI-Kompetenz
  • Digitale Kompetenzen – Selbsteinschätzung der eigenen Kompetenzen, einschließlich KI
  • Lernen für Nutzer*innen – Angebote und KI-Kompetenz für die Öffentlichkeit
  • Zusammenarbeit – Partnerschaften, Netzwerke, Co-Design

Ein kurzer abschließender Abschnitt erfasst außerdem Daten zur Wirkungsbewertung. Der Fragebogen passt sich an die jeweilige Gruppe der Befragten an: Bibliotheksleiter*innen beantworten innerhalb von 18 bis 25 Minuten Fragen zu Strategie und Governance. Mitarbeiter*innen konzentrieren sich in 15 bis 20 Minuten auf die tägliche Praxis und Weiterbildung. Bibliotheksnutzer*innen schildern innerhalb von fünf bis acht Minuten ihre Erfahrungen mit digitalen und KI-gestützten Angeboten aus Sicht der Öffentlichkeit.

Die Antworten sind anonym. Lediglich der Name der Bibliothek und das Land werden zu Vergleichszwecken erfasst. Derzeit ist die Umfrage ausschließlich auf Englisch verfügbar.

Innovation bereits in der Praxis

Die Umfrage knüpft an Erfahrungen an, die Bibliotheken in ganz Europa bereits gesammelt haben. Zu den aktuellen Beispielen aus den Fallstudiensammlungen von ADELE und DigLib gehört ein rund um die Uhr verfügbarer KI-Chatbot der Regionalbibliothek Pencho Slaveykov in Varna, Bulgarien, mit einer Rückkehrrate der Nutzer*innen von 92 %.

Ein weiteres Beispiel ist ein Programm zu KI-Kompetenz und kritischem Denken an der Kreisbibliothek Dâmbovița in Târgoviște, Rumänien, das mehr als 500 Teilnehmer*innen erreichte. Dänische öffentliche Bibliotheken entwickelten außerdem gemeinsam mit jungen Schriftsteller*innen, Künstler*innen und Kindern eine virtuelle 3D-Bibliothek, die sowohl über einen Browser als auch mit einem VR-Headset zugänglich ist.

Ein erstes europaweites Gesamtbild

Über das Netzwerk nationaler und regionaler Bibliotheksverbände von ELAN erreicht die Umfrage mehr als 70.000 Bibliotheken und über 100 Millionen Nutzer*innen in allen 27 EU-Mitgliedstaaten. Ziel ist es, die erste vergleichbare europaweite Bewertung der digitalen und KI-Bereitschaft von Bibliotheken zu erstellen und EBLIDA, IFLA und den EU-Institutionen eine gemeinsame Datengrundlage zur Verfügung zu stellen.

Die Umfrage ist bis zum 31. Juli 2026 geöffnet. Im September folgen Feedbackgespräche mit den Befragten. Politische Handlungsempfehlungen sollen im Oktober und November 2026 veröffentlicht werden. Die Ergebnisse sollen bis 2030 in die Interessenvertretung für Bibliotheken auf EU-Ebene einfließen.

Teilnahme

Die Umfrage richtet sich an Bibliotheksleiterinnen, Mitarbeiter*innen und Nutzer*innen in ganz Europa. Je nach Rolle dauert die Teilnahme zwischen fünf und 25 Minuten. Alle Antworten sind anonym.

Teilnahme an der Umfrage: https://www.surveymonkey.com/r/ELAN_Digital

Geltungsbereich
Europäische Union