Digitales Wohlbefinden in Tschechien: Auf dem Weg zu mehr Balance und Resilienz in der Online-Welt

Digitale Kompetenzen und Resilienz statt Verbote: Tschechien setzt auf Konzepte und Bildungsangebote, um Kinder und Jugendliche zu einem gesunden und sicheren Umgang mit digitalen Technologien zu befähigen.

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Im digitalen Zeitalter sind Kinder heute verletzlicher denn je. Gleichzeitig gewinnt das Thema digitales Wohlbefinden zunehmend an Bedeutung. Ein Bericht von Save the Children und der Vodafone Foundation aus dem Jahr 2025 zeigt, dass Kinder in ganz Europa immer häufiger digitalen Belastungen wie Cybermobbing, Desinformation, suchtfördernden Designmerkmalen und schädlichen sozialen Vergleichen ausgesetzt sind. Dies trägt zu einem Anstieg von Ängsten, Depressionen und Verhaltensauffälligkeiten bei.

Vor diesem Hintergrund kamen die Mitglieder der DigiKoalice, der tschechischen National Coalition for Digital Skills and Jobs, zusammen, um neue Handlungsempfehlungen für Lehrer*innen und Schüler*innen zu erarbeiten. Ziel ist es, ihnen Orientierung im Umgang mit digitalen Technologien zu geben, damit diese sie ihren Zielen näherbringen und nicht zusätzlichen Stress verursachen. Der Schlüssel liegt dabei nicht darin, die digitale Welt zu verbieten, sondern digitale Kompetenzen und Resilienz bei Kindern und Jugendlichen zu stärken.

Digitales Wohlbefinden in der Bildung ist keineswegs ein neues Thema, sondern eine langfristige Priorität, mit der sich das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MEYS) seit Jahren befasst. Angesichts aktueller Zahlen, die auf eine deutliche Zunahme von Ängsten und psychischer Belastung infolge einer zunehmend digitalen Welt hinweisen, stellt sich die Frage, was wir für Kinder und Jugendliche tun können.

Die Online-Welt als Spiegel der Realität

Mehrere Beiträge prägten das Treffen der DigiKoalice. Adéla Lábusová von Jules and Jim, z.ú. stellte den Schulungskurs The Labyrinth of the Network and the Paradise of the Heart vor. Der Kurs nutzt Storytelling als Methode, um Lehrer*innen und Eltern dabei zu unterstützen, Kinder zu einer gesunden Bildschirmnutzung zu begleiten.

Lábusová verwies auf die Goldlöckchen-Hypothese. Sie besagt, dass ein maßvoller Einsatz digitaler Technologien sogar positive Auswirkungen auf das Wohlbefinden haben kann, während negative Effekte erst bei einer übermäßigen täglichen Nutzung zunehmen. Eine zentrale Erkenntnis lautet, dass digitale Technologien im Vergleich zu Einflüssen aus der realen Welt nur einen geringen Einfluss auf das allgemeine Wohlbefinden von Kindern haben. Wie Lábusová erklärte: „Das meiste, was online passiert, ist lediglich ein Spiegel dessen, was offline geschieht.“ Digitales Wohlbefinden bedeutet demnach, Technologien bewusst so in das eigene Leben zu integrieren, dass sie die Gesundheit und das Wohlbefinden fördern.

Außerdem wurde ein neues Konzept zur Förderung des digitalen Wohlbefindens in der Bildung vorgestellt. Es bietet Schulen einen umfassenden methodischen Rahmen für den gesunden, sicheren und sinnvollen Einsatz digitaler Technologien. Das Konzept umfasst eine Definition des digitalen Wohlbefindens, Maßnahmen zu dessen Förderung, konkrete Handlungsempfehlungen für Schulen, Hinweise zur Verankerung des Themas in Schulkonzepten, Unterstützungsangebote für Lehrerinnen, Schülerinnen und Eltern sowie Beispiele für fächerübergreifende Aktivitäten. Es unterstützt Schulen dabei, das Thema von einzelnen Präventionsmaßnahmen hin zu einer systematischen Verankerung in Schulkultur, Regeln, Unterricht und der gesamten Schulgemeinschaft weiterzuentwickeln. Das Konzept wurde am Nationalen Pädagogischen Institut (NPI CR) im Rahmen des Projekts NPO 3.1 – AIDIG in Zusammenarbeit mit der Partnership for Education 2030+ entwickelt.

Internationaler Kontext und regionale Erfahrungen zusammenführen

Irena Palánová (NPI CR) stellte das europäische Projekt TechWell vor. Das durch Erasmus+ (Policy Experimentation) geförderte Projekt widmet sich dem digitalen Wohlbefinden in der Bildung. Bei der konzeptionellen Entwicklung und Förderung dieses Themas ist Tschechien den beteiligten Partnerländern deutlich voraus. In einigen westeuropäischen Ländern, etwa Italien oder Griechenland, gibt es bislang noch keinen gemeinsamen nationalen Ansatz. Auf der TechWell-Plattform finden Eltern und Lehrkräfte umfangreiche methodische Materialien, die nach Alters- beziehungsweise Bildungsstufen gegliedert sind.

Blanka Kozáková von der regionalen Bildungseinrichtung KVIC berichtete über einen neu erprobten 40-stündigen Fortbildungskurs für Lehrerinnen zu den Themen Internetsicherheit, soziale Netzwerke und der Einfluss von Influencerinnen. Dabei machte sie auf eine interessante Entwicklung aufmerksam: In der Lehrerschaft stößt der Begriff „Wellbeing“ zunehmend auf Ablehnung. In der Praxis seien daher Begriffe wie psychische Resilienz, Stressbewältigung oder Gesundheit häufig zielführender.

Cybersicherheit und die Rolle digitaler Technologien: Resilienz im Mittelpunkt

Tereza Šamanová (CzechInno) stellte das Netzwerk der European Digital Innovation Hubs (EDIHs) vor. Die Zentren bieten Schulen und öffentlichen Einrichtungen kostenlose Analysen, Beratungen und Schulungen zu Cybersicherheit und Resilienz an – auch im Hinblick auf Sicherheitsfragen in einer Zeit, die zunehmend vom Einsatz Künstlicher Intelligenz geprägt ist. Für Einrichtungen in Tschechien können insbesondere die Angebote des Cyber Security Hub einen guten Einstieg in das Thema Cybersicherheit im organisatorischen Kontext bieten.

Die abschließende Diskussion machte deutlich, dass digitales Wohlbefinden nicht bedeutet, Technologien abzulehnen. Entscheidend ist vielmehr, ihre Chancen und Risiken zu erkennen und sie so in den Alltag zu integrieren, dass sie Gesundheit, persönliche Entwicklung und Verantwortungsbewusstsein gegenüber sich selbst, anderen und der Welt fördern. Ein Beispiel ist eine Gruppe von Kindern, die mithilfe von Smartphones und KI-Anwendungen nach Anleitungen für Holzarbeiten sucht. In diesem Fall unterstützt das digitale Werkzeug die Gestaltung der realen Welt – und nicht umgekehrt.

Weiterführende Informationen und Angebote

Wer sich für das Thema digitales Wohlbefinden interessiert, findet bei DigiKoalice und dem NPI CR regelmäßig aktualisierte Methodensammlungen und Fortbildungsangebote für Lehrkräfte.

Eltern, die praktische Unterstützung für die Begleitung ihrer Kinder in der Online-Welt suchen, können die Webinare von Jules and Jim nutzen oder den Leitfaden auf der TechWell-Website herunterladen. Weitere Orientierung bietet außerdem die Plattform Digirozhledna.

Alle diese Initiativen verfolgen das gemeinsame Ziel, digitale Technologien nicht als Quelle von Angst zu begreifen, sondern als Werkzeuge, die wir bestmöglich nutzen und die Kinder informiert, verantwortungsvoll sowie zu ihrer persönlichen Entwicklung und Freizeitgestaltung einsetzen können.

Autor*in
Veronika Fořtová, Ministerstvo školství, mládeže a tělovýchovy
Geltungsbereich
Tschechien