Digitale Kompetenzen im Fokus: Höhepunkte des Jahrestreffens 2026 der Nationalen Koalitionen in Brüssel

Das Jahrestreffen 2026 der Nationalen Koalitionen zeigt Fortschritte und Lücken bei digitalen Kompetenzen in Europa – von Fachkräftemangel und KI bis zu Weiterbildung und digitaler Teilhabe.

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Dieser Juni war der heißeste, der jemals in Westeuropa gemessen wurde. Hitzewellen sorgten in den meisten EU-Mitgliedstaaten für neue Rekorde und stellten viele Europäer*innen vor die Frage, wo sie Abkühlung finden könnten.

In Paris wurden Kanäle der Seine zu Schwimmbereichen für Anwohner*innen, während die Berliner Polizei Wasserwerfer, die normalerweise zur Auflösung von Demonstrationen eingesetzt werden, zur Abkühlung der Bevölkerung nutzte. Auch Brüssel bildete keine Ausnahme: In unmittelbarer Nähe des Europäischen Parlaments fand ein Protestschwimmen statt, mit dem auf den Mangel an öffentlichen Bademöglichkeiten aufmerksam gemacht wurde.

Während die Temperaturen in Belgien Rekordwerte erreichten, liefen die Vorbereitungen für die EU Advanced Digital Skills Days auf Hochtouren. Am 29. Juni 2026 kamen Vertreterinnen der Nationalen Koalitionen zu einem hochrangigen Runden Tisch zusammen, um Präsentationen zu verfolgen und sich mit Mitarbeiterinnen der Europäischen Kommission und der Europäischen Exekutivagentur für Gesundheit und Digitales (HaDEA) auszutauschen.

Nationale Koalitionen: die „Lebensader“ der Plattform

Die National Coalitions for Digital Skills and Jobs werden häufig als „Lebensader der Digital Skills & Jobs Platform“ bezeichnet. Sie sind Multi-Stakeholder-Partnerschaften, die Akteur*innen zusammenbringen, die konkrete Maßnahmen zur Förderung digitaler Kompetenzen auf allen Ebenen der Gesellschaft in ihren Ländern entwickeln oder bereits umgesetzt haben.

Nationale Koalitionen bestehen in 25 europäischen Ländern; 23 davon haben ihre Websites mit der Digital Skills & Jobs Platform verbunden. Dadurch erhält die Plattform eine wichtige regionale und nationale Ebene mit Informationen zu Strategien und Initiativen im Bereich digitaler Kompetenzen. Dies stärkt ihre Funktion als zentrale Anlaufstelle für aktuelle Informationen, Nachrichten und Weiterbildungsangebote auf nationaler und europäischer Ebene. Gleichzeitig ermöglicht die Vernetzung einen direkten Austausch von Inhalten zwischen nationalen Zielgruppen und einem europaweiten Publikum – und umgekehrt.

Jahrestreffen der Nationalen Koalitionen in Brüssel

Gruppenfoto vom Treffen der Vertreter*innen der 'National Coalitions for digital Skills and Jobs' in Brüssel

Politischer Hintergrund und Kontext

Das Jahrestreffen am 29. Juni sollte diese Zusammenarbeit weiter stärken und zugleich die Dringlichkeit des Themas verdeutlichen. Wenige Tage zuvor hatte die Europäische Kommission das Paket zum Stand der Digitalen Dekade 2026 veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass die EU bei dem derzeitigen Tempo der Kompetenzentwicklung und -erweiterung ihre Ziele für 2030 voraussichtlich nicht erreichen wird.

Der Bericht zeigt, dass Europa bei unverändertem Entwicklungstempo das Ziel, 80 % der Bevölkerung mit grundlegenden digitalen Kompetenzen auszustatten, nicht 2030, sondern erst 2037 erreichen würde. Auch bei den IKT-Fachkräften besteht erheblicher Handlungsbedarf: Im Jahr 2025 waren in Europa 10,5 Millionen IKT-Fachkräfte beschäftigt; das für 2030 festgelegte Ziel liegt bei 20 Millionen.

Die Digitale Dekade aus Sicht der Nationalen Koalitionen

Vertreter*innen der Nationalen Koalitionen diskutierten vor dem Hintergrund der neuen Zahlen des Berichts zur Digitalen Dekade 2026 über Fortschritte, Herausforderungen und Prioritäten auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene.

Saskia van Uffelen von der Belgischen Nationalen Koalition verwies auf eine neue Debatte zur Beteiligung von Frauen im IKT-Sektor: Frauen, die nicht unmittelbar bei einem IKT-Unternehmen beschäftigt sind, werden in entsprechenden Statistiken nicht berücksichtigt. Gleichzeitig verlaufen die Fortschritte weiterhin langsam. Trotz des Schwerpunkts auf Bildung, grundlegenden digitalen Kompetenzen und MINT besteht ein dringender Bedarf, bereits heute Beschäftigte umzuschulen.

Zudem besteht eine große Diskrepanz zwischen den benötigten Kompetenzen und dem, was das Bildungssystem derzeit vermitteln kann. In Belgien zeigt sich außerdem ein durch KI ausgelöster Wandel bei Tätigkeiten in den Bereichen IKT und Cybersicherheit. Bei der Beurteilung, ob eine Person für eine bestimmte Tätigkeit geeignet ist, sollten drei Aspekte berücksichtigt werden: Kompetenzen, Wissen und Haltung beziehungsweise Herangehensweise.

Menschliche Kontrolle und Aufsicht bleiben wichtig. Gleichzeitig besteht Bedarf an umfassenden und detaillierten Kompetenzmatrizen, die zur Überprüfung und Aktualisierung von Lernprogrammen dienen können. Die formale Bildung kann mit der Entwicklung jedoch nicht Schritt halten, während zugleich die Einstiegshürden für Berufseinsteiger*innen steigen. Obwohl belgische Unternehmen kontinuierliches Lernen am Arbeitsplatz ermöglichen, bleibt die Unterscheidung zwischen Rollen und Funktionen relevant.

Auch Bulgarien untersucht Tätigkeiten, die durch KI verändert oder potenziell gefährdet werden. Dazu zählen unter anderem Verwaltung, Kundenservice, Vertrieb, Finanzwesen und Logistik.

Blick in den Konferenzraum, in dem die Vertreter*innen der 'National Cialition for Digital Skills and Jobs' diskutieren.

In Zypern liegen die Fortschritte bei den Zielen der Digitalen Dekade unter dem EU-Durchschnitt, weshalb sich die nationalen Anstrengungen auf entsprechende Gegenmaßnahmen konzentrieren. Seit zehn Monaten läuft ein Pilotprogramm zur Integration von KI-Werkzeugen in die öffentliche Verwaltung; eine weitere Phase wird vorbereitet.

Beim Geschlechtergefälle zeigt sich in Zypern eine Besonderheit zugunsten von Frauen. Auch bei grundlegenden digitalen Kompetenzen unterscheidet sich das Land vom EU-27-Durchschnitt: In ländlichen Gebieten sind diese stärker ausgeprägt als in Städten. Künftige Weiterbildungsmaßnahmen sollen sich stärker auf ältere Menschen sowie Personen mit niedrigerem sozioökonomischem Status konzentrieren. Die zyprische Regierung arbeitet dafür enger mit nationalen Akteur*innen zusammen und entwickelt auf Grundlage einer öffentlichen Konsultation eine neue Digitalstrategie.

Tschechien zählt zu den leistungsstärksten Ländern Europas und liegt deutlich über dem EU-Durchschnitt. Die Regierung hat einen neuen Informatikrahmen erfolgreich in die schulischen Lehrpläne integriert. DigiKoalice, die tschechische Nationale Koalition, verfügt inzwischen über ein Netzwerk von mehr als 260 aktiven Mitgliedern. Trotz dieser Fortschritte besteht weiterhin ein erheblicher Mangel an IKT-Fachkräften. Der Frauenanteil unter den IKT-Beschäftigten beträgt lediglich 13 % und gehört damit zu den niedrigsten in Europa.

Dänemark zählt zu den am stärksten digitalisierten Ländern der Welt und verfügt über eine leistungsfähige Infrastruktur. Das Bildungssystem kann die Nachfrage nach IKT-Fachkräften jedoch noch nicht vollständig abdecken: Im vergangenen Jahr mussten Universitäten 1.800 Studieninteressierte im IKT-Bereich aufgrund fehlender Studienplätze ablehnen. Gleichzeitig ist die digitale Inklusion landesweit stark ausgeprägt, und das Ziel von 80 % der Bevölkerung mit grundlegenden digitalen Kompetenzen wurde bereits erreicht. Erstmals gibt es zudem ein Ministerium mit Zuständigkeit für Forschung, Bildung und Digitalisierung.

Auch Irland hat das Ziel von 80 % der Bevölkerung mit grundlegenden digitalen Kompetenzen erreicht. Das Land verfügt über ein stabiles IKT-Ökosystem, gut ausgebaute digitale öffentliche Dienstleistungen – insbesondere im Gesundheitswesen – und eine verbesserte Konnektivität. KMU haben jedoch weiterhin Schwierigkeiten bei der Einführung von KI, und die Digitalisierung des Gesundheitswesens sollte stärker in einem einheitlichen System gebündelt werden.

Die irische Nationale Koalition, die 2025 nach einer kurzen Unterbrechung neu gegründet wurde, setzt deshalb auf Weiterbildung, um bestehende Beschäftigte zu unterstützen und Fachkräfte auf den Einsatz von KI vorzubereiten. Für Oktober und November 2026 plant die Koalition einen AI Innovation Month mit Schwerpunkt auf der KI-Einführung in KMU und Start-ups.

Griechenland verzeichnet Fortschritte bei der Zahl der beschäftigten IKT-Fachkräfte und beim beruflichen Einsatz von KI. Während junge Menschen bei grundlegenden digitalen Kompetenzen über dem EU-Durchschnitt liegen, bestehen in ländlichen Gebieten weiterhin Defizite. Ältere Menschen sind mit Weiterbildungsinitiativen schwer zu erreichen. Zudem beschäftigen sich nationale Maßnahmen mit der Einordnung und Vermittlung ethischer Fragen im Zusammenhang mit KI.

Eine ähnliche Herausforderung bei der Weiterbildung älterer Menschen besteht in Ungarn, obwohl junge Menschen dort gute IKT-Kompetenzen aufweisen. Die Beteiligung Erwachsener an Weiterbildungsangeboten ist sehr gering. Gerade diejenigen Beschäftigtengruppen, die besonders stark von Automatisierung betroffen sind, nehmen kaum an Umschulungen teil. Die ungarische Nationale Koalition sieht daher die Notwendigkeit, digitale Kompetenzen im Zeitalter der KI neu zu denken. Kompetenzen wie algorithmisches und kritisches Denken sowie Medien- und Digitalkompetenz entwickeln sich zunehmend zu übergreifenden Schlüsselkompetenzen.

Blick in den Konferenzraum, in dem die Vertreter*innen der 'National Cialition for Digital Skills and Jobs' diskutieren.

Deutschland verwies auf den Mangel an IKT-Fachkräften, Defizite bei der Einführung fortgeschrittener Technologien sowie die geringe Verfügbarkeit und Nutzung digitaler öffentlicher Dienstleistungen. Zu den strukturellen Herausforderungen gehören die Fragmentierung des Schulwesens sowie der Erwachsenen- und Weiterbildung und des lebenslangen Lernens. Die deutsche Nationale Koalition ist noch neu, aber bereits sehr aktiv. Sie arbeitet intensiv am Aufbau von Netzwerken mit bestehenden Akteur*innen, an der Stärkung des Vertrauens in digitale Technologien und an der Sensibilisierung für die Bedeutung digitaler Kompetenzen.

Italien hat beim Anteil der Menschen mit digitalen Kompetenzen seit 2023 um 8,6 % zugelegt. Inzwischen verfügen fast 55 % der 16- bis 74-Jährigen über mindestens grundlegende digitale Kompetenzen. Dieser Fortschritt wird unter anderem auf erfolgreiche Projekte wie das Netzwerk digitaler Unterstützungsstellen zurückgeführt, das über 4.000 Zugangspunkte Unterstützung, Beratung und Schulungen zu digitalen Kompetenzen anbietet.

Gleichzeitig bleibt der Mangel an IKT-Fachkräften erheblich. Sie machen in Italien nur 3,8 % der Gesamtbeschäftigung aus und liegen damit unter dem EU-Durchschnitt von 5 %.

Eine ähnliche Situation zeigt sich in Lettland. Im Jahr 2025 verfügten 48,43 % der 16- bis 74-Jährigen über grundlegende digitale Kompetenzen, was einem durchschnittlichen jährlichen Anstieg von 3,4 % entspricht. Dennoch mangelt es weiterhin an IKT-Fachkräften sowie an digitalen, STEAM- und allgemeinen Kompetenzen bei Kindern und Jugendlichen.

Als besonderer Erfolg gilt die Einführung der Erwachsenenbildungsplattform STARS. Sie basiert auf individuellen Lernkonten, ist in die nationale Strategie eingebettet und an DigComp ausgerichtet.

In Litauen fällt der jährliche Fortschritt mit 0,8 % geringer aus. 53,8 % der Bevölkerung verfügen über grundlegende digitale Kompetenzen – ein herausforderndes Ergebnis, nachdem in den Vorjahren höhere Wachstumsraten erreicht worden waren. Besonders groß ist die Lücke bei älteren Menschen und in ländlichen Bevölkerungsgruppen.

Auch die Finanzierung stellt eine Herausforderung dar. Viele Initiativen sind von Mitteln aus der Aufbau- und Resilienzfazilität (RRF) abhängig und verfügen nicht über eine kontinuierliche Finanzierung. Zu den weiteren Maßnahmen gehört das Projekt „No One Is Left Behind“, das derzeit überwiegend auf Online-Trainings setzt, obwohl diese nicht für alle Zielgruppen gleichermaßen geeignet sind. Darüber hinaus entwickelt das Innovationsministerium eine neue National Digital Agenda 2040, die die mangelnde Kontinuität bei Maßnahmen zu digitalen Kompetenzen adressieren soll.

In Malta richten sich die Maßnahmen auf höhere Investitionen in Infrastruktur, Kompetenzen und Bewusstseinsbildung, um fortgeschrittene digitale und KI-Kompetenzen aufzubauen sowie Innovation, Talententwicklung und Wettbewerbsfähigkeit von KMU zu unterstützen.

Zu den Maßnahmen gehören eine mit dem europäischen Netzwerk der AI Factories verbundene Außenstelle, kostenloser Zugang zu Hochleistungsrechnern für Start-ups und KMU sowie eine im Mai gestartete KI-Kompetenzinitiative für die breite Öffentlichkeit. Diese bietet ein von der Regierung finanziertes einjähriges kostenloses Abonnement für einen Online-Kurs, den bereits mehr als 14.000 Menschen abgeschlossen haben. Hinzu kommen Angebote zur digitalen Inklusion älterer Menschen in Dörfern und Gemeinden sowie ein Innovationszentrum mit Umschulungs- und Weiterbildungsangeboten, das in seine zweite Phase geht.

Die Lücke bei den digitalen Kompetenzen bleibt dennoch eine Herausforderung. Ein Schwerpunkt liegt auf einer stärkeren Beteiligung von Frauen in KI und IKT sowie auf vollständig finanzierten Master- und Promotionsprogrammen in diesen Bereichen.

In Portugal verläuft die Entwicklung digitaler Kompetenzen langsam, aber stetig. Die Zahl der IKT-Fachkräfte steigt und nähert sich dem EU-27-Durchschnitt. Die größte Herausforderung bleibt der Erwerb grundlegender digitaler Kompetenzen: Nur 69 % der Bevölkerung verfügen mindestens über dieses Niveau. Besonders groß sind die Defizite bei Menschen mit niedrigerem sozioökonomischem Status.

Zu den neuen staatlichen Maßnahmen gehören ein in diesem Jahr umgesetzter Aktionsplan zum Digital Skills Pact, ein neues „National Programme for Girls in Tech“ sowie Weiterbildungs- und Umschulungsprogramme für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen.

Rumänien verfügt über eine starke digitale Infrastruktur. Netzabdeckung und Konnektivität liegen bei 96 % und damit nahe am Zielwert von 100 %. Die 5G-Abdeckung fällt mit 59 % geringer aus.

Das Land hat erheblich in digitale öffentliche Dienstleistungen investiert, darunter elektronische Gesundheitsdienste, elektronische Identitäten und digitale Angebote für Unternehmen. Die tatsächliche Nutzung bleibt jedoch deutlich hinter diesen Investitionen zurück. Rund 40 % der Bevölkerung verfügen über mindestens grundlegende digitale Kompetenzen. Spezialisierte Kompetenzen sind dagegen stärker ausgeprägt; 27 % der Beschäftigten mit fortgeschrittenen Kompetenzen sind in ihren beruflichen Netzwerken aktiv.

Die Slowakei arbeitet an neuen Rechtsvorschriften zu KI in der Bildung und setzt Schwerpunkte auf kritisches Denken und Online-Sicherheit. Das Land baut zudem auf einem langjährigen internationalen Projekt zur Kompetenzbewertung auf, das inzwischen in seiner 15. Ausgabe stattfindet und seit fünf Jahren gemeinsam mit ungarischen Partnern durchgeführt wird.

Die Unterschiede zwischen Stadt und Land sowie zwischen den Generationen bleiben Herausforderungen, insbesondere beim Zugang zu Bildungsangeboten für digitale Kompetenzen und beim Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Frühere Initiativen umfassen das Projekt „Digital Champions“, das Schüler*innen aus benachteiligten Verhältnissen Computer und Tablets bereitstellte und nun mit Gutscheinen für Internetzugänge fortgesetzt wird, ein Projekt zu digitalen Kompetenzen für ältere Menschen sowie „Digital Start“ für Arbeitslose und Menschen ohne Ausbildung.

Blick in den Konferenzraum, in dem die Vertreter*innen der 'National Cialition for Digital Skills and Jobs' diskutieren.

Die Ukraine, vertreten durch ihre neu gegründete Nationale Koalition, baut eines der dynamischsten digitalen Ökosysteme Europas auf. Dazu gehören schnelle und zugängliche digitale öffentliche Dienstleistungen mit zunehmendem KI-Einsatz, mehr als 21.600 aktive Start-ups, 146.000 IT-Fachkräfte sowie der neu geschaffene „Phoenix Ukraine Tech Fund“, der von der Europäischen Investitionsbank unterstützt wird und das Vertrauen internationaler Investor*innen signalisiert.

Ein Schwerpunkt liegt auf Weiterbildung, insbesondere im Dienstleistungssektor, der bei der Nutzung digitaler Technologien und der Produktivität zurückliegt. Die Nationale Koalition verfügt über mehr als 100 Partner aus öffentlichen Einrichtungen, Ministerien, dem IT-Verband und der Privatwirtschaft. Diese Zusammenarbeit wird als Modell für sektorübergreifende Kooperation betrachtet.

In Österreich ermöglicht die Zusammenarbeit verschiedener Ministerien koordinierte nationale Schwerpunkte, insbesondere bei der inklusiven Einführung von KI. Ein National AI Day wurde mit Blick auf Nachhaltigkeit eingerichtet. Österreich hat außerdem DigComp 3.0 vollständig übernommen und KI-bezogene Lernergebnisse in die Umsetzung von DigComp integriert.

Zwei Wochen vor dem Treffen wurde zudem eine Netzwerkinitiative gestartet, die sektorübergreifend gegen das Geschlechtergefälle im Bereich KI vorgehen soll und sich nicht nur an Expertinnen, sondern an eine breite Gruppe von Teilnehmerinnen richtet. Darüber hinaus bestehen Pläne, KI ab dem kommenden Jahr als Unterrichtsfach in der Sekundarstufe I einzuführen. Zusätzliche Fragen zur KI-Bereitschaft sollen außerdem in die nationalen Indikatoren für digitale Kompetenzen aufgenommen werden.

DSJP: Workshop zur Wirkung der Plattform und Feedback der Nationalen Koalitionen

Vertreter*innen der 'National Coalition for Digital Skills and Jobs' diskutieren in kleinen Gruppen miteinander.

Die Nationalen Koalitionen diskutierten über die Wirkung der Digital Skills & Jobs Platform und ihre Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mit ihr.

  1. Finanzierungsmöglichkeiten
    Die Nationalen Koalitionen wünschen sich mehr Sichtbarkeit und aktuellere Informationen zu Fördermöglichkeiten. Im Vergleich zu anderen EU-Plattformen bietet die DSJP zwar weniger Informationen, diese werden jedoch als gezielter und relevanter wahrgenommen. Vorgeschlagen wurde unter anderem ein eigener E-Mail-Kanal für Benachrichtigungen zu Förderaufrufen zusätzlich zum Newsletter der Plattform. Zudem wurde vorgeschlagen, den Umfang der beobachteten Fördermöglichkeiten über Programme hinaus zu erweitern, die ausschließlich digitale Kompetenzen betreffen.

  2. Austausch von Best Practices und Perspektiven
    Die Plattform ermöglicht Einblicke in die Arbeit anderer Nationaler Koalitionen. Ein zentrales Ergebnis der Diskussion war der hohe Wert des gegenseitigen Lernens. Erfahrungen, Herausforderungen und gewonnene Erkenntnisse anderer Länder können dabei helfen, nationale Initiativen weiterzuentwickeln.

  3. Arbeitsgruppen: gemeinsame Gestaltung und Zusammenarbeit
    Die Nationalen Koalitionen wünschen sich mehr Unterstützung bei der Aktivierung von Arbeitsgruppen, insbesondere zu grundlegenden digitalen Kompetenzen für Erwachsene. Bestehende Formate könnten als Vorbild dienen, etwa die frühere erfolgreiche Arbeitsgruppe zur Umsetzung von DigComp oder die Erhebung zu digitaler Bildung, Kompetenzbewertung und formaler Bildung.

  4. Infografiken und Sichtbarkeit von Länderdaten
    Die Nationalen Koalitionen schlugen einen neuen Inhaltstyp vor: eine „Infografik des Monats“ mit kompakten Daten zum Stand digitaler Kompetenzen in einzelnen Ländern. Diese könnte auf den jeweiligen Seiten der Nationalen Koalitionen veröffentlicht werden. Dafür wären sowohl die Entwicklung eines entsprechenden Formats durch das Plattformteam als auch die rechtzeitige Bereitstellung verlässlicher Daten durch die Nationalen Koalitionen erforderlich.

  5. IT-Fachkräfte und Karrierewege
    Die Nationalen Koalitionen bekundeten Interesse an thematischen Webinaren speziell für IT-Fachkräfte. Als relevante Themen wurden Standardisierung, Ethik in der KI, Cybersicherheit und validierte Kompetenzniveaus genannt. Ziel ist es, Karrierewege im IT- und IKT-Bereich attraktiver zu gestalten und stärker als eigenständige Berufslaufbahnen zu etablieren sowie die Plattform für IKT-Fachkräfte interessanter zu machen.

  6. Technische und funktionale Verbesserungen der Plattform
    Derzeit können Inhalte automatisch von den Websites der Nationalen Koalitionen auf die Plattform übertragen werden, nicht jedoch in umgekehrter Richtung. Ein beidseitiger Austausch könnte den Informationsfluss verbessern. Vorgeschlagen wurden außerdem eine Vereinfachung verpflichtender Eingabefelder, die nicht immer relevant sind, sowie die Nutzung eines Teils der monatlichen Koordinierungstreffen für technische Fragen und Schulungen der Nationalen Koalitionen.

  7. Digitale Souveränität und Cybersicherheit
    Einige Länder, insbesondere in Ost- und Nordeuropa, verwiesen vor dem Hintergrund von Cyberangriffen auf den Bedarf an eigenen Inhalten oder Kapiteln zur digitalen Souveränität. Die Nationalen Koalitionen bekundeten Interesse daran, selbst Beiträge zu diesen Themen zu erarbeiten. Die Ergebnisse könnten gegebenenfalls in den Rahmen der Squad-Bewertungsgruppen integriert werden. Vorgeschlagen wurde außerdem, einzelne monatliche Treffen bestimmten Themen zu widmen und diese mit relevanten Arbeitsgruppen zu verknüpfen.

  8. Struktur, Navigation und Verknüpfungen innerhalb der Plattform
    Die Nationalen Koalitionen betonten die Notwendigkeit einer klareren Unterscheidung zwischen digitaler Bildung im schulischen Bereich und Erwachsenenbildung. Zu den Vorschlägen gehörten detailliertere Unterkategorien für die Nationalen Koalitionen, eine interaktive Karte der Mitglieder der Union of Skills in Verbindung mit der Mitgliedschaft in Nationalen Koalitionen sowie eine Zuordnung vorhandener Lernangebote und Inhalte zu DigComp-Kategorien und Kompetenzniveaus. Dadurch könnten Nutzer*innen Inhalte leichter entsprechend ihrem eigenen Kompetenzniveau finden.

  9. Kommunikation und Personalisierung
    Vorgeschlagen wurden gezielte E-Mail-Benachrichtigungen für Abonnent*innen, um auf Webinare und andere Veranstaltungen aufmerksam zu machen, anstatt ausschließlich auf Besuche der Plattform zu setzen. Darüber hinaus wünschen sich die Nationalen Koalitionen mehr Inhalte zu Stellenangeboten sowie Coaching- und Mentoring-Möglichkeiten, um Menschen bei ihrer beruflichen Entwicklung zu unterstützen.

  10. Institutionelle Einbindung
    Die Nationalen Koalitionen wünschen sich einen direkteren Austausch zwischen Vertreterinnen beziehungsweise hochrangigen Mitarbeiterinnen der Europäischen Kommission und Mitgliedern nationaler Regierungen, insbesondere im Rahmen hochrangiger Treffen. Dadurch soll die politische Position der Koalitionen gestärkt werden.

Weiterführende Informationen

Die National Coalitions for Digital Skills and Jobs sind Multi-Stakeholder-Partnerschaften, die unterschiedliche Akteur*innen zusammenbringen, um konkrete Maßnahmen zur Förderung digitaler Kompetenzen auf allen Ebenen der Gesellschaft in ihren Ländern zu entwickeln.

Die Nationalen Koalitionen spielen eine wichtige Rolle bei der Förderung digitaler Kompetenzen sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene. Sie gehören zu den zentralen Inhaltslieferanten der Digital Skills & Jobs Platform und stellen Informationen über nationale Strategien und Initiativen, Best Practices, Weiterbildungsangebote, Veranstaltungen und Ressourcen zu digitalen Kompetenzen bereit.

Weitere Informationen zu den Nationalen Koalitionen in den EU-Mitgliedstaaten, zu Best Practices für Weiterbildung und Umschulung sowie zu nationalen Strategien zur Erreichung der Ziele der Digitalen Dekade sind auf der Digital Skills & Jobs Platform verfügbar.

Die interaktive Karte der Digital Skills & Jobs Platform bietet außerdem einen visuellen Überblick über den Stand digitaler Kompetenzen und die Situation von IKT-Fachkräften in den einzelnen Ländern.

Geltungsbereich
Europäische Union