Die Studie „Digital Skills Gap 2025“ analysiert Unterschiede in der Ausprägung digitaler Kompetenzen zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen. Dabei beschränkt sie sich nicht auf klassische soziodemografische Merkmale, sondern bezieht gezielt unterschiedliche Lebenslagen ein. Faktoren wie Einkommen, Wohnsituation und berufliche Stellung erweisen sich als maßgeblich dafür, in welchem Umfang Individuen auf die Anforderungen einer digital geprägten Arbeits- und Lebenswelt vorbereitet sind. Auf dieser Grundlage werden bestehende Ungleichheiten sichtbar, insbesondere im Hinblick darauf, welche Gruppen ihre digitalen Kompetenzen kontinuierlich weiterentwickeln und welche Gefahr laufen, im digitalen Alltag zurückzufallen.
Ziel der Studie
Die Studie versteht sich als analytische Grundlage für weiterführende Maßnahmen. Sie bietet Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft belastbare Ansatzpunkte, um bestehende Barrieren zu identifizieren, Qualifizierungswege zu erweitern und die Entwicklung digitaler Kompetenzen chancengerechter zu gestalten. Digitale Teilhabe wird dabei als zentrale Voraussetzung für soziale Teilhabe und langfristige wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eingeordnet.
Zentrale Ergebnisse im Überblick
Geringes Einkommen und schwierige Wohnverhältnisse hindern Teilhabe.
Während 49 % der Bevölkerung digitale Basiskompetenzen besitzen, sind es bei Menschen in schwierigen Wohnverhältnissen nur 27 % und bei Einkommensschwachen nur 32 %. Als Ursachen werden fehlende Rückzugsorte, eingeschränkter Gerätezugang und mangelnde Unterstützung im Umfeld identifiziert.
Digitale Kompetenzen von Blue-Collar-Beschäftigten ausgeprägter als angenommen
Die häufig unterstellte digitale Kluft zwischen White-Collar- und Blue-Collar-Beschäftigten fällt geringer aus als oft angenommen. In einzelnen Kompetenzfeldern weisen Blue-Collar-Worker sogar höhere Werte auf, etwa bei der KI-Affinität. Mit 17 von 100 Punkten liegen sie hier vor den White-Collar-Beschäftigten (15 Punkte). Zurückzuführen ist dies unter anderem darauf, dass sich die Arbeitsplätze dieser Arbeitnehmer*innen bereits deutlich durch den Einsatz von Maschinen und digitalen Systemen verändert haben.
Digitale Kompetenzen älterer Erwerbstätiger
Arbeitnehmer*innen ab 57 Jahren weisen bei digitalen Kompetenzen und der KI-Affinität Werte auf, die näher an denen gleichaltriger Rentner*innen liegen als an denen jüngerer Beschäftigter. Ein Teil dieser Gruppe nimmt nur in begrenztem Umfang an Weiterbildungsangeboten teil, was auf fehlendes Interesse oder mangelnde berufliche Perspektiven zurückgeführt wird. Gleichzeitig verfügen sie über umfangreiches Erfahrungswissen, das für Organisationen von hoher Bedeutung ist.
Unterschiede zwischen Männern und Frauen
Zwischen den Geschlechtern lassen sich messbare, jedoch insgesamt moderate Unterschiede in den digitalen Kompetenzen feststellen. So erreichen Männer im Durchschnitt höhere Werte bei Digitalkompetenz und KI-Affinität und verfügen häufiger über digitale Basiskompetenzen. Gleichzeitig zeigen sich innerhalb beider Gruppen erhebliche Streuungen, sodass die individuellen Unterschiede teilweise größer ausfallen als die geschlechtsspezifischen. Die Ursachen liegen weniger im Geschlecht selbst als in strukturellen Rahmenbedingungen, etwa im Bildungsniveau, in Teilzeitbeschäftigung oder in der Übernahme von Sorgearbeit.
Bildungsgrad: stärkerer Einfluss auf digitale Kompetenzen als andere soziodemografische Merkmale
Personen mit höherem Bildungsabschluss erzielen deutlich höhere Werte bei digitalen Kompetenzen und der KI-Affinität, nehmen häufiger an Weiterbildungsmaßnahmen teil und gehen reflektierter mit KI-Anwendungen um. Geringere Bildungsabschlüsse sind nicht nur mit niedrigeren Kompetenzniveaus verbunden, sondern auch mit ungünstigeren Voraussetzungen für deren Weiterentwicklung. Der Digital Skills Gap ist damit zugleich als Ausdruck eines Bildungsgaps zu verstehen.
Hintergrund der Studie
Die Ergebnisse beruhen auf einer Sonderauswertung des D21-Digital-Index 2024/25, der die digitalen Kompetenzen der Bevölkerung in Deutschland ab 14 Jahren erfasst. Grundlage der Analyse sind die Kompetenzbereiche des europäischen Referenzrahmens DigComp, die jeweils mithilfe von Indizes auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten abgebildet werden. Untersucht wird der Zusammenhang zwischen diesen Indizes und soziodemografischen Merkmalen wie Geschlecht, Bildungsniveau und Alter sowie unterschiedlichen Lebenslagen. Ergänzend berücksichtigt die Studie zentrale Indikatoren wie digitale Basiskompetenzen und einen KI-Affinitäts-Index, der ebenfalls auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten ausgewiesen wird.
Die Studie „Digital Skills Gap 2025“ ist eine Studie der Initiative D21, wurde durchgeführt vom mmb Institut und gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.
