Digital Gender Gap bei Künstlicher Intelligenz: Nutzung, Rahmenbedingungen und Kompetenzaufbau

Die Studie zeigt: Frauen nutzen KI-Anwendungen seltener und weniger intensiv als Männer. Welche Faktoren den Gender AI Gap beeinflussen und welche Rolle Organisationen dabei spielen

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Gender AI Gap bleibt bestehen

Die Studie „Digital Gender Gap – Schwerpunkt 2026: Künstliche Intelligenz“ untersucht geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Nutzung von KI-Anwendungen. Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Gender AI Gap: Frauen nutzen KI-Anwendungen seltener und weniger intensiv als Männer. Auch wenn Unterschiede bei Alter, Bildung, Einkommen, beruflichem Kontext sowie Kompetenzen und Einstellungen statistisch berücksichtigt werden, bleibt eine Nutzungslücke von 8 Prozentpunkten bestehen.

Wahrgenommener Nutzen: zentraler Faktor für intensive Nutzung

Besonders deutlich zeigt sich der Unterschied bei der intensiven Nutzung von KI, also bei einer regelmäßigen Anwendung mindestens einmal pro Monat. Diese Form der Nutzung gilt als Voraussetzung für den Aufbau von Kompetenzen sowie für die Integration von KI in Arbeitsprozesse.

Die Studie identifiziert den erwarteten Mehrwert als wichtigsten Treiber der KI-Nutzung. KI wird vor allem dann eingesetzt, wenn Anwender*innen einen konkreten Nutzen für ihren beruflichen oder privaten Alltag erkennen. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn KI monotone oder unliebsame Aufgaben übernimmt. Dann liegt die intensive Nutzung von Männern bei 31 %, die von Frauen bei 26 %; also auch hier zeigt sich ein deutlicher Gender Gap.
Der Zugang zu digitaler Infrastruktur allein reicht demnach nicht aus, um die Nutzung zu fördern.

Bedeutung organisationaler Rahmenbedingungen und Kompetenzaufbau als Hebel

Organisationale Faktoren beeinflussen die Nutzung von KI maßgeblich. Die Wahrscheinlichkeit einer regelmäßigen Anwendung steigt dort, wo digitale Infrastruktur vorhanden ist, digitale Kompetenzen im Arbeitsalltag benötigt werden und KI bereits im beruflichen Kontext eingesetzt wird. Auch die Möglichkeit, neue digitale Anwendungen zu erproben, wirkt sich positiv auf die Nutzung aus.

In Organisationen, die KI aktiv implementieren und Qualifizierungsangebote bereitstellen, verliert der Gender AI Gap an statistischer Bedeutung. Bieten Arbeitgeber*innen Weiterbildungen an, liegt die intensive KI-Nutzung von Frauen bei 20%, die der Männer bei 21 %. Werden keine Weiterbildungen angeboten, ist der Unterschied signifikant: nur 14 % der Frauen nutzen dann KI intensiv, im Gegensatz zu 21 % der Männer.

Demgegenüber tragen informelle Lernformen, etwa Unterstützung durch Kolleginnen, Kollegen oder das persönliche Umfeld, laut Studie nicht gleichermaßen zur Verringerung der Nutzungslücke bei.

Schlussfolgerungen

Die Studie macht deutlich, dass die Nutzung von KI nicht allein von individuellen Faktoren abhängt. Vielmehr spielen organisationale Rahmenbedingungen, Qualifizierungsangebote und konkrete Anwendungsmöglichkeiten eine zentrale Rolle. Die Ergebnisse zeigen zudem, dass digitale Transformation unterschiedliche Ausgangsbedingungen und Nutzungskontexte berücksichtigen muss, um bestehende Unterschiede bei der KI-Nutzung nicht zu verstärken.

Über die Studie

Die Studie „Digital Gender Gap – Schwerpunkt 2026: Künstliche Intelligenz“ ist ein Kooperationsprojekt der Initiative D21 und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Ergebnisse basieren auf einer Sonderauswertung der Studie D21-Digital-Index 2024/25.

Eine Executive Summary liegt auf Deutsch und Englisch vor: https://initiatived21.de/publikationen/digital-gender-gap-ki/executive-summary.

Geltungsbereich
Deutschland
Themen
Künstliche Intelligenz