Dank des vom CEF-Programm finanzierten Projekts zur Einrichtung und zum Betrieb eines Portals für digitale Kompetenzen liegt die vom IVSZ – Ungarischer Verband digitaler Unternehmen – erstellte Femintech research nun auch in englischer Sprache vor.
Den Ergebnissen der IVSZ-Femintech-Umfrage zufolge entwickelt sich die Beschäftigung von Frauen in der IKT-Branche positiv, doch für weitere Fortschritte und eine Erhöhung des Frauenanteils sind ein Umdenken, mehr Offenheit sowie eine steigende Zahl von Frauen, die an IT-Schulungen teilnehmen, erforderlich.
Fachkräfte mit den notwendigen digitalen Kompetenzen sind eine Voraussetzung für den Erfolg der digitalen Gesellschaft, der Wirtschaft und der Unternehmen. Der Arbeitskräftemangel, der nicht nur in Ungarn, sondern auch in Europa und sogar weltweit zu spüren ist, stellt alle vor enorme Herausforderungen, da ein heftiger Wettbewerb um Arbeitskräfte herrscht. Daher wird der IVSZ sein Bestes tun, um die Zahl der Teilnehmer an IT-Ausbildungen zu erhöhen, die Ausbildung digitaler Fachkräfte auf allen möglichen Ebenen zu fördern und die Aufmerksamkeit auf Gruppen von Arbeitnehmern zu lenken, die für die IKT, aber auch für jeden anderen Sektor von großem Wert sein können.
Mehr aufgeschlossene Unternehmen, wenige Bewerberinnen
Der IVSZ hält es für äußerst wichtig, sich aktiv mit der Rolle von Frauen in der IKT und anderen Branchen auseinanderzusetzen und die Hindernisse zu beleuchten, denen sie in ihrer beruflichen Laufbahn begegnen, sowie die Einstellung der Unternehmen gegenüber Frauen und die Sichtweise der weiblichen Beschäftigten auf ihre eigene Position auf dem Arbeitsmarkt zu untersuchen. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, im Rahmen einer umfassenden Umfrage erstmals die Meinung ungarischer IKT-Unternehmen und weiblicher Beschäftigter in Form eines Fragebogens (285 weibliche IKT-Beschäftigte und 52 Führungskräfte von IKT-Unternehmen) sowie eines ausführlichen Interviews einzuholen.
Der Frauenanteil in den befragten Unternehmen liegt unter 20 %, was den allgemeinen landesweiten Verhältnissen entspricht. Sie arbeiten typischerweise im Backoffice, im Finanzwesen, im Personalwesen, im Marketing und im Vertrieb, wo sie Führungspositionen einnehmen, wobei der Frauenanteil von der IKT-Branche hin zum allgemeinen Geschäftsbereich zunimmt. Der geringe Anteil weiblicher Beschäftigter ist keineswegs auf eine Zurückhaltung der Unternehmen bei der Einstellung von Frauen zurückzuführen: Es gibt nicht genügend Kandidatinnen auf dem Arbeitsmarkt, selbst wenn diese eingestellt werden möchten, was hauptsächlich auf die geringe Zahl von Frauen mit Hochschulabschluss zurückzuführen ist.
Im Durchschnitt liegt der Frauenanteil in IT-Ausbildungsgängen (sowohl bei den eingeschriebenen als auch bei den Absolventen) nach wie vor unter 20 %, wobei in beiden Fällen in den letzten 10 Jahren ein steigender Trend zu verzeichnen ist. Im Jahr 2020 liegt der Anteil der Frauen mit einem Abschluss in einem IT-Studiengang (17,6 %) bereits nahe am EU-Durchschnitt hinsichtlich des Anteils weiblicher IKT-Fachkräfte. Nicht nur im Hochschulbereich steigt der Frauenanteil unter den Studierenden: Laut dem aktuellen Bootcamp-Auditbericht des IVSZ lag der Frauenanteil in Bootcamps im Jahr 2020 bei 25,6 % und damit deutlich höher als in den Vorjahren und als der offizielle Wert von 12 % unter den IKT-Fachkräften.
Stereotypen, aber nicht nur innerhalb der Branche
Die Umfrage befasste sich auch mit der Einstellung weiblicher Beschäftigter hinsichtlich der Hindernisse, die sie in ihrer beruflichen Laufbahn wahrnehmen. 35 % der Befragten nannten Stereotypen als Hindernis, wobei diese jedoch nicht in erster Linie innerhalb der Branche auftreten, sondern in ihrem sozialen Umfeld (Kundenseite, Bildung, Familie und Freunde). Zu den Antworten gehört ein erheblicher Anteil an familiären Präferenzen, verbunden mit der Annahme, dass IKT-Unternehmen in Bezug auf Teilzeitarbeit nicht flexibel genug sind. Gleichzeitig ergab die Umfrage jedoch auch, dass Unternehmen in diesem Bereich offener werden, wenn ein entsprechender Bedarf entsteht.
Ein wichtiges Ziel der Untersuchung war es, zu prüfen, wie offen die Branche gegenüber weiblichen Beschäftigten aus Sicht der weiblichen Beschäftigten und der IKT-Unternehmen ist. Die Antworten zeigten, dass beide Seiten den Begriff „Offenheit“ unterschiedlich interpretieren: Unternehmen setzen diesen oft mit der Möglichkeit einer Anstellung gleich, während es bei der Offenheit aus Sicht der Beschäftigten um weit mehr geht (Unternehmenskultur, psychologische Sicherheit); zudem reicht es nicht aus, wenn nur die Unternehmensleitung offen ist – die gesamte Organisation sollte offen sein, da die weibliche Beschäftigte in erster Linie Erfahrungen mit dem Unternehmen als Ganzes macht und dieses als Ganzes wahrnimmt.
Die Umfrage hat gezeigt, dass zwar in den letzten Jahren eine positive Entwicklung eingesetzt hat, die Beschäftigung von Frauen jedoch nach wie vor ein wichtiges und relevantes Thema ist, sowohl innerhalb als auch außerhalb des IKT-Sektors. Das Thema ist komplex und erfordert einen vielschichtigen Ansatz. Einerseits ist es entscheidend, dass Unternehmen die Bedeutung von Vielfalt und die Bedürfnisse der verschiedenen von ihnen beschäftigten Zielgruppen verstehen und ihre Beschäftigungspraktiken entsprechend anpassen, um psychologische Sicherheit zu einem Teil der Unternehmenskultur zu machen und die Beschäftigung von Frauen in einem überwiegend männlich dominierten Team zu unterstützen. Andererseits ist auch ein Einstellungswandel seitens der Frauen erforderlich, damit sie sich selbst und ihren beruflichen Fähigkeiten vertrauen, nicht an Stereotypen glauben und den Schritt in eine IKT-Karriere mutig wagen.
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