Cybermobbing gehört weiterhin zu den drängenden Herausforderungen auf der politischen Agenda der Europäischen Union. In den vergangenen Jahren hat das Ausmaß des Problems weiter zugenommen.
Laut einem Bericht aus dem Jahr 2025 über die Ergebnisse einer Konsultation von Kindern zum Thema Cybermobbing im Rahmen der EU-Plattform für Kinderbeteiligung, durchgeführt von ICF, SOS-Kinderdörfern und Save the Children, haben zwei von fünf Kindern Cybermobbing beobachtet, und 25 % waren selbst betroffen. Insbesondere Mädchen berichteten häufiger davon, Cybermobbing erlebt oder beobachtet zu haben. Mehr als neun von zehn Europäer*innen gaben zudem in einer aktuellen Eurobarometer-Umfrage an, dass dringend Maßnahmen erforderlich seien, um Kinder vor schädlichen Online-Einflüssen und Missbrauch zu schützen.
Soziale Medien – die von 80 % der jungen Menschen täglich genutzt werden – sind ein zentraler Kanal, über den Kinder und Jugendliche mit Cybermobbing konfrontiert werden. Gleichzeitig mehren sich die Hinweise darauf, dass die Konfrontation mit ungeeigneten Online-Inhalten langfristige negative Auswirkungen haben kann. Die EU verfügt bereits über einen umfassenden rechtlichen und politischen Rahmen zum Schutz und zur Stärkung von Kindern im digitalen Raum, darunter das Gesetz über digitale Dienste (DSA), die Strategie „Better Internet for Kids“ (BIK+) sowie das Netzwerk der Safer Internet Centres. Vor diesem Hintergrund und als Ergänzung bestehender Maßnahmen stellte die Europäische Kommission im Februar 2026 einen Aktionsplan gegen Cybermobbing vor.
Warum braucht Europa einen Aktionsplan gegen Cybermobbing?
Cybermobbing unterscheidet sich von anderen Formen des Mobbings dadurch, dass kein physischer Kontakt erforderlich ist. Es kann jederzeit stattfinden, wodurch Betroffene häufig das Gefühl haben, sich in einer endlosen Spirale fortgesetzter Belästigung zu befinden. Fast alle (95 %) Betroffenen von Cybermobbing erleben zusätzlich physisches, verbales oder soziales Mobbing im Alltag.
Cybermobbing nimmt in allen EU-Ländern zu. Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) stieg der Anteil von Cybermobbing zwischen den Zeiträumen 2017/2018 und 2021/2022 in allen 29 europäischen Ländern und Regionen, die im Bericht How’s Life for Children in the Digital Age? (2025) untersucht wurden. In Dänemark, Litauen, Norwegen, Slowenien, Island und den Niederlanden betrug der Anstieg mehr als fünf Prozentpunkte. Der OECD-Durchschnitt erhöhte sich von 12,1 % auf 15,5 %.
Auch zwischen den EU-Mitgliedstaaten bestehen erhebliche Unterschiede. Im Zeitraum 2021/2022 reichte der Anteil der Kinder, die von Cybermobbing betroffen waren, von 7,5 % in Spanien bis 27,1 % in Litauen. Neben Litauen verzeichneten auch Lettland, Polen, England, Ungarn, Estland, Irland, Schottland, Slowenien, Schweden, Wales, Finnland und Dänemark vergleichsweise hohe Werte. Zu den Ländern mit niedrigeren Raten zählen Portugal, Griechenland und Frankreich. Auch in Deutschland und Italien lag der Anteil unter dem europäischen Durchschnitt. In allen Ländern berichten Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Verhältnissen häufiger von Erfahrungen mit Cybermobbing.
Zentrale Inhalte des Aktionsplans
Der Aktionsplan basiert auf drei Säulen, um die Bekämpfung von Cybermobbing auf EU-Ebene zu stärken:
1. Koordinierter Schutz auf EU-Ebene
Die Europäische Kommission wird bestehende Rechtsvorschriften weiterhin konsequent umsetzen und Cybermobbing stärker in den Fokus rücken. Die Mitgliedstaaten werden aufgefordert, nationale Strategien auf Grundlage einer gemeinsamen europäischen Definition von Cybermobbing zu entwickeln.
2. Prävention und Sensibilisierung
Der Aktionsplan soll gesunde und verantwortungsvolle digitale Gewohnheiten bereits in jungen Jahren fördern. Die Europäische Kommission stellt hierfür Instrumente und Materialien bereit, die gemeinsam mit Kindern, Eltern, Lehrkräften, Fachleuten für psychische Gesundheit, Mitgliedstaaten und Organisationen wie den Safer Internet Centres entwickelt wurden.
- Die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission (Joint Research Centre – JRC) betreibt das Informationszentrum JRC Science for Digital Wellbeing, das Daten und Informationen zum Thema Cybermobbing bereitstellt.
- Das JRC beherbergt außerdem das European Centre for Algorithmic Transparency (ECAT), das die Umsetzung des Gesetzes über digitale Dienste (DSA) durch technische und wissenschaftliche Expertise unterstützt.
3. Meldung von Vorfällen und Unterstützung Betroffener
Der Aktionsplan soll sicherstellen, dass insbesondere Betroffene, Zeug*innen, Eltern und Erziehungsberechtigte über leicht zugängliche und vertrauenswürdige Möglichkeiten verfügen, Vorfälle zu melden und Unterstützung zu erhalten. Die Kommission wird die Einführung einer Online-Sicherheits-App in allen Mitgliedstaaten unterstützen. Diese soll Kindern und Jugendlichen ermöglichen, Cybermobbing einfach zu melden, Beweise zu speichern und einzureichen sowie individuelle Unterstützung zu erhalten.
Der Aktionsplan stützt sich insbesondere auf die Einführung einer EU-weiten App für Betroffene von Online-Mobbing, die Koordinierung nationaler Maßnahmen gegen schädliches Verhalten im Internet sowie die Prävention von Cybermobbing durch die Förderung sicherer und verantwortungsvoller digitaler Praktiken.
Weiterführende Informationen
Weitere Informationen zum Aktionsplan und den nächsten Schritten finden Sie auf der Website der Europäischen Kommission. Dort stehen sowohl der vollständige Text des Aktionsplans gegen Cybermobbing als auch die Pressemitteilung zur Vorstellung der Initiative zur Verfügung.
Die Website von Better Internet for Kids (BIK) bietet zudem zahlreiche Materialien für Kinder, Jugendliche, Lehrkräfte und Eltern sowie ein Wissensportal mit aktuellen Forschungsergebnissen und Informationen zum Thema.
